• Kremena Doynov

Fauxpas in Deiner Bewerbung



Wir leben in Zeiten unglaublich vieler Informationsquellen. Auch in Bezug auf eine Bewerbung. Doch „viel“ bedeutet nicht zwingend „gut“. So passiert es schnell und einfach, dass irgendwann irgendetwas seinen Weg zum Publikum gefunden hat und schwuppdiwupp gilt es als „etabliert“. Man liest es ja an so vielen Orten, die Kollegin macht es so, der Kursleiter hat es empfohlen, ist sicher nicht so schlimm…


Ein Stück weit verstehe ich, dass Menschen rasch bereit sind einiges zu übernehmen. Was ich jedoch schwer verstehe ist, wie oft sie das völlig unkritisch tun. Denn würden sie nur eine Minute lang überlegen, und sich Gedanken darüber machen „was löst das bei der Gegenseite aus“, werden sie bestimmt zu der einen oder anderen Erkenntnis gelangen wie kontraproduktiv etwas sein kann. Wie meine Kunden, die oft sagen „Frau Doynov, so logisch, wenn Sie das so erklären, fast ärgerlich, dass ich nicht selber auf die Idee gekommen bin“ (und dafür manche vermeidbare Absage kassiert habe).


Ja, es gibt einiges in einer Bewerbung was nicht nötig und überflüssig und/oder sogar schädlich ist. Damit löst man prompt „Gedankengänge“ beim Empfänger der Bewerbung aus, die bestimmt nicht gewollt sind. Denn am Anfang passiert alles schnell und Emotionen entstehen oft auch auf einer unbewussten Ebene. Am Anfang sucht man nicht primär nach Gründen „Ungeschicke“ zu erklären oder gar zu entschuldigen, sondern diese reichen schon aus, um eine Bewerbung auszusortieren. Mit ein paar davon, festgefahrenen, oft sehr riskanten, jedoch gleichzeitig einfach zu vermeidenden Fauxpas räume ich nun auf.



Am Ende Deines Lebenslaufs steht „Eintritt nach Vereinbarung“

Man hat Dir gesagt, oder Du hast das Gefühl, somit zeigst Du Deine verhandelbare Seite, und die ist doch wichtig. Oder Du hast wirklich gute Gründe darüber zu „verhandeln“. Doch weiter vorne, unter Deiner Berufserfahrung, steht ganz klar, dass Du schon seit einigen Monaten stellenlos bist, ergo „zu haben“. Plötzlich (und unterschwellig) wirkt die „Verhandlungsbereitschaft“ als „Lustlosigkeit“.



„Ach so, Du hast es in dem Fall nicht so eilig“,

könnte als Gedanke ausgelöst werden und das reicht schon bei einigen, Dich zu verabschieden.


Schreib das nicht. Deine Eintrittsdatum-Absichten interessieren an dieser Stelle noch keinen. Du musst vorerst mit anderem überzeugen, bevor es überhaupt zu diesem Thema kommt, und dann kannst Du „verhandeln“, wenn es sein muss.

Du punktest auch mit „Eintrittsdatum per sofort“ nicht! Allein deshalb wird Dir keiner zusagen, es kommt einiges noch vorher, was überzeugen muss.

Also weg mit dieser völligen Unnütz-Angabe!



Deine Anstellungsdauer ist nur mit Jahresangaben

Du weisst es nicht mehr so genau, und Zeit, geschweige denn Lust, um alles in Deinen Arbeitszeugnissen zu prüfen hast Du nicht. Ev. findest Du diese Art der Angabe aus irgendeinem Grund sogar „übersichtlicher“. Ganz, ganz falsch!


Einzelne Anstellungen müssen zwingend mit Monat/Jahr Angaben sein, zumindest die letzten ca. 15-20 Jahre. Ausser man will damit „Lücken“ verstecken…

So denkt nämlich die Person, die versucht, sich einen Überblick in Deinem beruflichen Werdegang zu verschaffen. Und „Lücken“ sind bekanntlich keine „Argumente“ für Dich, wenn auch manchmal völlig in Ordnung.

Ah, Du hast gar keine?! Dann noch schlimmer, denn gerade wurdest Du aussortiert, weil Du einen solchen Gedanken ausgelöst hast…



Dein Bewerbungsfoto ist schlecht (selbstgemacht) oder fehlt gar

Ach, das Thema „Bewerbungsfoto“… Warum wollen sich Menschen nicht zeigen, oder sind bereit es völlig ungünstig zu tun?!

„Ich bin nicht fotogen“, ist keine gute Erklärung dafür.

„Das Foto macht keine Aussage über meine Qualifikationen“, ist auch etwas abwegig.

Ich persönlich kenne niemanden, der/die das Bewerbungsfoto dafür nutzt – die Qualifikationen von jemandem daraus zu erkennen und/oder zu beurteilen. Was ich aber schon abermals gehört habe ist die Aussage

„Wenn jemand jetzt schon nicht bereit ist sich professionell und passend zu präsentieren, ist das nicht der/die MitarbeiterIn, den/die wir suchen“,

und ab auf den Stapel „Absagen“.


Oder beschäftigt Dich allenfalls „Dein Alter“ und Du denkst aus dem Foto wird man sofort erkennen, dass Du nicht gerade aus der Lehre entlassen worden bist, also lieber keines? Weisst Du was Du mit einem fehlenden Foto (oder gar Geburtsdatum Angabe) prompt bewirkst? Genau das Gegenteil Deines Planes! Man schaut sich nämlich noch genauer GENAU das an, was Du nicht wolltest: wie „alt“ könntest Du sein…


Also mach Dir bitte die Mühe und lasse Dich professionell ablichten! Nimm (auch diese) Sache ernst, wenn Du ernst genommen werden willst. Und keine Angst – ein Profifotograf wird Dich in bestem Licht zeigen! Nein, nicht „jünger, schöner oder sonst wie“, aber professioneller. Und das willst Du doch, oder?



Fehler im Adresskopf

Meine Güte! Wer liest schon gerne seinen Namen in irgendeiner Art falsch geschrieben? Aber noch viel, viel schlimmer – wer liest überhaupt Briefe die „offensichtlich“ für jemand anderen gedacht sind?!?

Ja genau! Keiner!

Dass man sich die Sache „einfach“ macht und weder die exakte Schreibweise der Firmenbezeichnung prüft noch sich vergewissert, dass alles korrekt geschrieben ist, ist sein Problem!

Dass nach dem Motto „Masse statt Klasse“ immer wieder das gleiche Anschreiben versendet wird, und man ist nicht einmal genügend achtsam, um das dem Empfänger nicht unter die Nase zu binden, bewirkt postwendend die nächste Absage!


Versende niemals, wirklich niemals, Eilbewerbungen! Prüfe diese immer vor dem Versenden nach Korrektheit, Vollständigkeit, Ordnung. Oder lass sie prüfen.



Ich, ich, ich…

Viele Motivationsschreiben sind sonst schon langatmig und langweilig, aber auch noch schier jeden zweiten Satz und jeden Absatz mit „Ich“ zu starten, macht es für den Leser „unerträglich“. Und zeugt von mind. zwei Mankos. Entweder ist man eindeutig selbstverliebt oder die Schreibweise (und womöglich Kommunikationsfähigkeiten) lassen noch ziemlich viel zu wünschen übrig. Oder beides!

Wer will schon so jemanden? Erst recht, wenn „Schreib- und/oder Sprachkenntnisse“, „Kommunikationsfähigkeiten“, „Überzeugungskraft“ etc. als Anforderungen im Stelleninserat definiert sind. „Ich bin…“ ist auch eine reine Behauptung, von der keiner weiss, ob sie stimmt... Ist etwas wichtig, wird es (später) geprüft und nicht einfach geglaubt.


Versuche möglichst nichts einfach zu behaupten, sondern zeige, dass Du verstehst, was die Gegenseite meint und will und genau das kannst Du anbieten.

Logisch, lesefreundlich und sympathisch, was gewiss mit x-mal „ich bin…“ nicht der Fall ist.



„Ich freue mich auf die Möglichkeit Ihnen mehr über mich zu erzählen.“

„Ups… was kommt da noch ans Tageslicht?!“, denkt sich der Leser. „Versteckte Leichen?“…

Glück für den Verfasser, wenn der Leser eine neugierige Person ist, Zeit „um Geheimnisse zu lüften“ aufwenden will und auch der Rest der Bewerbung überzeugend ist. Ansonsten denkt man sich „Oh nein, keine Lust!“ und der Stapel „Absage“ wächst um ein weiteres Dossier.


Du wolltest damit nur „neugierig auf Dich machen“? Musst Du nicht! Es heisst Motivations- nicht Klatschschreiben. Zeige Deine Motivation. Auch zum Schluss – mit einem kurzen souveränen Satz, der keine Fragen offenlässt oder gar „eröffnet“.



Deine E-Mail-Adresse ist eigenartig

Nein, es gibt keinen Grund eine Bewerbung aus „fit4fun@xxxx“ zuzustellen. Die E-Mail-Adresse muss nicht einmal so seltsam sein, es reicht schon viel weniger, um unprofessionell oder merkwürdig rüberzukommen. Zahlen, irgendwelche komischen Wort- und/oder Buchstabenkombinationen, Akronyme, unerkenntliche Bezeichnungen, „lustige“ Begriffe, Familienmails…


Abgesehen davon, dass ein solches E-Mail eine spätere Antwort erschwert (die E-Mail-Adresse kann unter Umständen nicht aus dem Namen erkannt und automatisch im Empfängerfeld eingetragen werden), wirkt sowas schlicht und einfach inkompetent. Amateurhaft. Unselbstständig.

Ist die Person nicht in der Lage sich eine sachliche, erwachsene, eigene E-Mail-Adresse einzurichten? Reichen die IT-Kenntnisse so kurz?

– denkt sich der Empfänger…


Ja, eine E-Mail-Adresse, die nicht professionell rüberkommt, ist öfters als Du denkst ein Grund (mehr) für einige Personalverantwortliche in dem kurzen Moment als sie es erblicken zu denken „Oh, nein!“. Dass das eine „schon seit eh und je“-E-Mail-Adresse ist, ist kein (gutes) Argument dafür, es auch für offizielle Korrespondenzen zu nutzen.


Richte Dir eine formelle, persönliche und Deinen Namen erkenntliche E-Mail-Adresse ein!



Du sendest mehr als max. vier (komische) Anhänge in Deiner Bewerbung

Keine Bewerbung muss mit mehr als vier Anhängen daherkommen, wirklich nicht!

Am besten sogar nur drei (Lebenslauf, Motivationsschreiben und die Arbeitszeugnisse und Ausbildungsnachweise zusammengefasst), oder gar – profimässig - nur mit einem Anhang (Gesamtdossier)!

Die Unterlagen sind in einer guten Qualität, korrekt angeordnet, sind vollständig und tragen passende Bezeichnungen, die innert Sekunden den Inhalt erkennen lassen.

Natürlich alles nur als PDF.

Bingo!

Das zeugt von einigem, aber nicht zuletzt auch davon, dass der Bewerber einige Programme beherrscht, am PC flink ist und „Ordnung“ kein Fremdwort ist. Ein Mensch, der auch die Zeit anderer schätzt und versucht den Aufwand in Rahmen zu halten. Ein Profi eben.


Doch nein, der Empfänger macht eine E-Mail-Bewerbung auf und wird von unzähligen Anhängen „erschlagen“. Darunter alles Mögliche an Dateiformaten und -bezeichnungen…

Was ist das? Welches davon ist der Lebenslauf? Was sind das für Files?! Chaos pur!

... und weg ist die Bewerbung! Dass auf so eine „Bewerbung“ nicht einmal eine Absage erteilt wird, soll nicht wirklich verwundern…


Also fasse alles in max. vier Anhängen zusammen: Dein Lebenslauf, Dein Motivationsschreiben, Deine Arbeitszeugnisse und Deine Ausbildungsnachweise. Gib diesen Dateien sofort erkennbare, deutliche Namen, komprimiere sie auf eine akzeptable Grösse UND Qualität und sende alles im PDF Format zu.


Sei Dir einfach bewusst – Du bist leider nicht der/die Einzige!

Es gibt noch so viel mehr, worauf Du Acht geben solltest, um Deine Wunschstelle erfolgreich zu bekommen, also versäume es nicht auch noch mit einfach zu vermeidenden Fehlern. Es hilft wirklich, wenn man nicht „einfach macht“ sondern mitdenkt und reflektiert.

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