• Kremena Doynov

Mehrwert


Ach der Mehrwert – dieser Wert in aller Munde! Ob ihn das allein zum «mehr» macht? Nein, natürlich nicht. Doch wo man auch hinhört, alle bieten Mehrwert. Danach gefragt was sie damit meinen, stellt man nicht selten fest – es ist eigentlich der zu erwartende Wert. Den Wert, den man durchaus bei einer Dienstleitung oder für ein Produkt erwartet. Quasi wofür man nämlich zahlt. Nicht mehr, und auch nicht weniger.


Was ist «Mehrwert» eigentlich? Das Unerwartete? Das Zusätzliche? Das Vorteilhafte? Das Überzeugende? Das Unvergessliche? Das Weiterbringende? Das …? Mehrwert ist all das, doch nicht immer in der gleichen Ausprägung und schon gar nicht für jeden gleich wichtig. Folglich ist das mit dem «Mehrwert» eine sehr «subjektive» Sache. Was ich als «Mehrwert» empfinde, muss lange nicht für Hans auch ein «Mehrwert» sein.


Doch «Mehrwert» ist wichtig. Sehr wichtig sogar. Auch wenn man «riskiert» nicht gleich alle damit abzuholen, bedeutet dennoch «Mehrwert» MEHR an Wert. Denn in Zeiten, wo vieles vergleichbar ist, kann «Mehrwert» der entscheidende Unterschied sein.


Aber Achtung – Mehrwert allein reicht in manchen Fällen noch nicht. Man kann noch so «mehr» bieten, stimmt der Rest nicht, wird es trotzdem schwierig. Oder man nimmt diesen Mehrwert gar nicht als «mehr» wahr, sondern eher als eine «Gutmachung», was auch nicht Sinn der Sache ist.


Mehrwert als Bewerber?


Oh ja! Als Bewerbungskandidat kann Dich ein effektiver Mehrwert nicht nur in die Endauswahl katapultieren, sondern viel, viel mehr – dieser kann tatsächlich dazu führen, dass Du nicht nur die Zusage bekommst, sondern auch ziemlich zu «Deinen Konditionen».


Leider mache ich eher die Erfahrung, dass Stellensuchende sich ihren eigentlichen Wert nicht bewusst und darüber im Klaren sind, geschweige denn bei sich überhaupt einen möglichen MEHRwert sehen. Sich dem eigentlichen Wert nicht bewusst zu sein führt meistens zu Unter- oder Überschätzung. Also es gilt zuerst Deinen effektiven Wert für exakt diese Stelle, wofür Du Dich gerade bewirbst zu orten. Nein, damit meine ich nicht «den Lohn» - eine zu schnelle und in diesem Kontext falsche Interpretation des Wortes «Wert». Damit meine ich, herauszufinden wie wert-echt Du als Kandidat bist, mit anderen Worten «inwiefern erfüllst Du die geforderten Kriterien?». Die Sache mit dem Lohn kommt erst später zur Sprache.

Wie findest Du Deinen Bewerber-Mehrwert heraus?


Nachdem Du die klaren Übereinstimmungen zwischen Dir und der Stelle gefunden hast und diese ausreichend sind, dann mach Dir doch Gedanken ob und was Du für einen MEHRwert anbieten kannst. Orientiere Dich dabei vorwiegend am Wortteil «MEHR», quasi «Was biete ich MEHR?». Ganz wichtig ist jedoch, dass das «mehr» von Bedeutung für diese Stelle und/oder diese Firma ist. Ansonsten ist es «wertlos».


Dabei unterstützt Dich eine sehr gründliche Firmenrecherche über Deinen (möglichen) zukünftigen Arbeitgeber. Was hat der für «Probleme»? Warum hat die Firma diese Stelle ausgeschrieben? Was plant sie? Was steht an? In welchen Märkten ist sie aktiv? Wie «jung» (Senioren-Wissen gefällig?) wirkt die Belegschaft auf Dich? … um eine kleine mögliche Auswahl an Fragen zu erwähnen, die Dir bei den Überlegungen «was sehe ich zwischen den Zeilen und kann ich zu meinem MEHRvorteil machen» helfen können. Kurz gesagt: versuche nach «Problemen» zu suchen, für die Du «eine Lösung» bist.


Ein Beispiel gefällig?


Im Stelleninserat werden Sprachen und ein verhandlungssicheres Englisch verlangt. In Deiner Bewerbung einfach zu erwähnen, dass Du Sprachen kannst und im (geforderten!) Englisch sicher bist ist noch «gar nichts»! Besser gesagt – es ist noch kein Mehrwert! Das ist DAS was das Unternehmen verlangt und dafür (einen Teil) des Lohnes bezahlt.


Was kann nun Dein MEHRwert sein? Jetzt geht es an die Firmenrecherche. Bewirbst Du Dich in einem internationalen Unternehmen? Ist aus Deiner Recherche klar hervorgehend, dass Du mit vielen, unterschiedlichen Kunden zu tun haben wirst? Beherrschst Du ev. Sprachen, die nicht so häufig anzutreffen sind? Preist die Firma ihre multikulturelle Ausrichtung an? Etc.


Ein effektiver Mehrwert (=Nutzen) kann sich dann so lesen: In den von Ihnen geforderten Englischkenntnissen kann ich mich problemlos auf Businessniveau unterhalten. Darüber hinaus beherrsche ich auch XXXX, was mir erlaubt mich mit Kundschaft aus diesen Sprachgebieten bei spannenden Themen in ihrer Sprache und auf Augenhöhe auszutauschen.


Ein erlebter Mehrwert (=Erlebnis) tönt dann so: In den von Ihnen geforderten Englischkenntnissen kann ich mich problemlos auf Businessniveau unterhalten. Gerne bin ich bereit meinen zukünftigen Kolleginnen und Kollegen bei Bedarf mein Wissen weiterzugeben und sie damit qualifiziert zu unterstützen.


Und ein emotionaler Mehrwert (=Gefühl)? In den von Ihnen geforderten Englischkenntnissen kann ich mich problemlos auf Businessniveau unterhalten und damit gekonnt Emotionen ausdrücken und wecken. Das für Ihre Kundschaft zu tun und somit Kaufentscheidungen zu erleichtern ist für mich eine hoch spannende Perspektive.


Ach ja, genau. Mehrwert hat verschiedene Ebenen. Mal ist er «effektiv» (Nutzen), mal «erlebt» (Ereignisse) und mal «emotional» (Gefühle). Ein echter Mehrwert spricht mindestens eine Ausprägung davon an.


Wenn Du noch «Beweise» für Deinen «Mehrwert» aufführen kannst, dann ist die Sache perfekt. Dafür eignen sich Erfolge (im Lebenslauf), Arbeitsproben oder ähnliches – je nach Stelle und dargelegtem Mehrwert (sparsam!) im Dossier aufzuführen.


Ja, ich weiss – es ist nicht einfach mit diesem Mehrwert. Es ist eine spannende Suche, auf die ich mich gerne mit meinen Kunden begebe. Doch wenn es Dir gelingt MEHRWERT zu definieren öffnen sich unerwartete, grossartige Möglichkeiten für Dich!


…übrigens denke daran – es ist in Ordnung in Deiner Bewerbung konkret und treffsicher «nur» die klaren und entscheidenden – wert-echten – Übereinstimmungen zwischen Dir und der Stelle zum Ausdruck zu bringen. Es ist sogar sehr, sehr in Ordnung, denn viele schaffen nicht einmal das wirklich.

Denn schliesslich ist Mehrwert der Wert, der mehr wert ist als der Wert wert ist. Alles klar?

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