• Kremena Doynov

Expertise vs. Erfahrung



Was Wissen erlangen und erweitern betrifft, leben wir in der besten Zeit ever. «Internet sei Dank» war es noch nie zuvor so einfach sich zu bilden, ohne dafür Tag ein Tag aus die Schulbank drücken zu müssen und einen Ausbildungskredit dafür aufzunehmen. Das optimiert die Kosten ungemein und zwar nicht nur betragsmässig, sondern auch auf dem «Zeitkonto».

Nicht einverstanden? Nehmen wir eine Sprache als Beispiel. Vor nicht allzu langer Zeit, um sie zu erlernen, musste man entweder ins Sprachgebiet reisen oder Stunden und Geld in Präsenzunterricht investieren. Heute? Man meldet sich bei babbel-dot-com an und zahlt pro Monat, ja PRO MONAT keine 10 Franken! Auf die Zeit- und Organisationsvorteile für einen selbst wollen wir gar nicht erst zu sprechen kommen. Und so ist es in so vielen Bereichen! Internet hat den Erwerb von Wissen und Können buchstäblich revolutioniert!


Doch alles, was sich auf den ersten Blick wie «Magie» anhört, ist oft nur ein Teil der Geschichte. Und eine Geschichte hat – bekanntlich – mehrere Teile. Aber heute geht es mir nicht darum «online» vs. «persönlich erworbenes» Wissen und Können gegenüber zu stellen und zu (be)urteilen. Je nach Thema und Mensch hat sowieso mal «online», mal «persönlich» die grösseren Vorteile. Und ja, vieles kann man nach wie vor NICHT ausschliesslich «online» und schon gar nicht «für kein Geld» ergattern.


Heute gehe ich auf zwei andere Begriffe ein, die dank dieser einfachen Art Wissen zu erwerben auch Teil unserer Gesellschaft geworden sind. Mittlerweile ein nicht weg zu denkender Teil, jedoch umso mehr zu hinterfragender und «mit Vorsicht zu nutzender» - sowohl von den Anbietenden wie auch von den Abnehmern. Es geht um die



Expertise und Erfahrung

Wohin man heute schaut sind lauter «Experten». Und «Expertinnen» natürlich. Geht es Dir auch so? Sich im Bereich wo man sein Wissen und Können anbietet «Experte» zu nennen ist nicht nur salonfähig, sondern fast zu einer Pflichtbezeichnung geworden. Zugegeben – ich mag diese Bezeichnung nicht so sehr und hab eine gewisse Mühe damit. Für mich hat «Expertise» eine viel tiefere Bedeutung.


Doch jeder fragt sich früher oder später – bin ich ein Experte? Ich kenne mich doch so gut aus und mache meine Sache richtig gut! Und schon so lange! Oder bin ich eher ein Profi? Der Bescheid weiss! Diese Fragen stellt man sich idealerweise auch beim Vorbereiten seiner Bewerbung und es lohnt sich, sich den Unterschieden bewusst zu werden.



Erfahrung ist nicht Expertise

Dafür aber ergänzen sich Expertise und Erfahrung gut. Kompliziert nicht?

Ab hier solltest Du sehr genau lesen und mitdenken.


Expertise ist entgegen vieler Auslegungen nicht ausschliesslich «grauen Haaren» zuzuschreiben, auch mit 30 kann man Experte auf seinem Gebiet sein. Im Gegenzug wird man mit gewonnener Erfahrung nicht zwingend zu einem Experten.

Was?, denkst Du. Glaubst du es nicht? Überleg mal, wenn man etwas viele Jahre macht, festigt sich zwar das Wissen und Vorgehen in einem bestimmten Bereich, jedoch wird das eher routiniert angewendet. Wenn man Jahre lang etwas auf die gleiche Art umsetzt, wird man zwar schneller, vielleicht auch besser und ganz sicher selbstsicherer.


Dass wir uns richtig verstehen – «nur» erfahren zu sein ist keinesfalls etwas schlechtes, aber eine Expertise ist von ganz anderen Merkmalen gekennzeichnet.


Um es vielleicht mit einem Satz zu erklären: Der Erfahrene ist in seinem Vorgehen überzeugt, der Experte hinterfragt sich und seine Erfahrung ständig, lernt dazu und probiert Neues aus. Denn nur die Bereitschaft ein Problem aus diversen Richtungen anzugehen und zu lösen, macht aus einer Erfahrung eine Expertise. Das was Du seit vielen Jahren SO machst kann man vielleicht innert kürzester Zeit ganz anders und viel besser machen… vorausgesetzt man vertraut nicht NUR seiner Erfahrung, sondern ist auch gewillt seine Expertise zu erweitern.



Expertise oder Erfahrung

Bei der Stellensuche ist es sehr wichtig die Kenntnisse und die Fähigkeiten richtig einzuschätzen und einzustufen.


Bist Du ein Profi in dem was Du machst, dann spricht das eher für eine grosse Erfahrung.


Bist Du jedoch ein Experte – dann garantierst Du eine Vorgehensweise, die zwar auch Erfahrung verbürgt, jedoch wird Routine immer kritisch hinterfragt und immer wieder optimiert.


Erfahrung auf einem Gebiet kann nur «on the job» erworben werden. Oder aber auch anfänglich mit einer Ausbildung, anschliessend untermauert mit langem praktischem Tun. Man vertraut was man kann, wie man es macht, ergo der Routine. Dabei scheitert man selten!


Bei einer Expertise halten sich theoretisches Wissen (Ausbildung/en) und praktisches Können (Erfahrung) ziemlich im Gleichgewicht, bzw. gehen oft Hand in Hand. Man lernt zu seinem Thema immer dazu und das Handeln ist von Experimentieren stark geprägt.

Im Namen des Fortschrittes ist ein Experte bereit auch mal zu scheitern.


Und wie schon erwähnt, ob Expertise oder Erfahrung – keines von beiden ist weder «die absolute, einsame Spitze», noch (irgendwie) «negativ» zu werten. Die Welt braucht beides!

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