• Kremena Doynov

Der Bewerbungsbrief - Ihre professionelle Liebeserklärung


Stellen wir uns folgende Situation vor: Sie haben eine Kontaktanzeige gelesen. Diese hat Sie gepackt und lässt Sie nicht mehr los. Sie wollen Ihrem «Schwarm» einen Brief schreiben. Aus der Anzeige und weiteren Quellen konnten Sie herausfinden was sie oder er sucht und mag.

Im Gegensatz zu Ihnen weiss er oder sie noch gar nichts über Sie und Ihre Existenz. Mit Ihrem Brief möchten Sie das ändern – Sie möchten «ins Blickfeld Ihres Objekts der Begierde» rücken, auf sich positiv aufmerksam machen, von sich als «der Mann/die Frau» überzeugen. Was Sie auch wissen ist, dass Sie nicht «der oder die Einzige» sind, die sich melden wird. Ihr oberstes Ziel ist, dass es zu einem ersten, persönlichen Treffen kommt um noch mehr von sich zu überzeugen.

Wie würden Sie vorgehen? Was würden Sie schreiben? Wie werden Sie anfangen, was erzählen Sie über sich, und wie beenden Sie Ihren Brief?

«Ich habe über Sie in der Zeitung erfahren, Sie interessieren mich sehr und es würde mich freuen uns kennen zu lernen. …» Wird sich Ihr Brief in etwa so lesen? Wohl kaum!

Die Sache mit dem Begleitbrief zu Ihrer Bewerbung ist im Grunde genommen nicht viel anders. Sie schreiben ein «auserwähltes» Unternehmen an, «liebäugeln» mit dem Stellenangebot, möchten auf sich als «DER Kandidat» oder «DIE Kandidatin» aufmerksam machen. Ihr Ziel ist es, mit Ihrem Schreiben (neben dem gesamten Dossier) einen ersten, persönlichen Kontakt zu ermöglichen. Oder?

Aber Moment mal. «Begleitbrief«?!? Fängt das nicht schon mit der Bezeichnung unzutreffend an. Tönt «Begleitbrief» nicht bedeutungs- und belanglos? Es «begleitet» einfach, «geht mit» so zu sagen, aber viel mehr «verspricht» dieser Brief nicht.

Finden Sie nicht, dass «Motivationsschreiben» schon bedeutend mehr über den Inhalt und das Ziel Ihres Briefes aussagt? Oder auch «Bewerbungsbrief», also Sie WERBEN für sich.

«Detail», werden sich wahrscheinlich einige Leser denken. «Nicht wirklich» werde ich dem entgegnen. Hält man sich schon die Bezeichnung bewusst vor Augen und geht man mit einer bestimmten Absicht an den Inhalt heran, dann ist mit grosser Wahrscheinlichkeit auch das Resultat anders. Besser!

Der Einstieg

Man weiss es heute, startet einen Bewerberbrief mit «Über Ihr Stellenangebot habe ich in XXXX Kenntnis genommen und möchte mich gerne für diese Position bewerben…» wird dieser kaum weiter gelesen. Es mag sein, dass ganz, ganz wenige «alte Schule» HRs so was immer noch über sich ergehen lassen, doch über diese Einzelfälle wollen wir uns nicht unterhalten. Fakt ist, bei den meisten kommt dieser «Anfangssatz» nicht an. Schade für die Arbeit eigentlich. Auch wenn diese sich offensichtlich in Grenzen hält. Denn ein solcher «Start» zeugt davon, dass man sich bei diesem BEGLEITbrief weder viele Gedanken, noch Mühe gemacht hat. Somit ist es nicht verwunderlich, dass der Verfasser schon beim Einstieg «scheitert».

Auch wenn keine genauen Zahlen bekannt sind wie viele Briefe noch heute so oder ziemlich ähnlich starten, tippe ich auf eine beängstigend grosse Anzahl. Trotz all dem heutigen Wissen! Gehören Sie auch dazu? Dann wundern Sie sich nicht über Ihre «Erfolgsquote». Je nachdem wann die HR Person Ihren Brief liest – am Anfang (eher selten) oder als Abschluss Ihrer gesamten Bewerbung – das Resultat kommt so oder so schlecht raus. Entweder landet Ihr gesamtes Dossier ohne weitere Beachtung auf dem Stapel «Absagen», oder aber viel schlimmer - Sie schaffen es, einen womöglich guten Eindruck von Ihrem Restdossier abzuschwächen (Stapel «Auswahl») oder gar zu vernichten (Stapel «Absagen»).

Der Mittelteil

«Bei meiner letzten Position als XX, habe ich während XX Jahren…» das und jenes gemacht, … was aber keinen interessiert. Es wird «berichtet» was das Zeug hält… bis einem die Augen zuklappen. Apathische, langweilige und wie «copy&paste» wirkende Sätze, in denen sich der Leser kaum orientieren kann, geschweige denn einen MEHRWERT dieses Bewerbers schnell erkennen kann. Zu so einem «Mittelteil» passt nur das Wort «mittel», mittelmässig versteht sich. Die rekrutierende Person benötigt viel Zeit um «die Brücke zwischen Bewerber und Stelle zu schlagen». Doch was wir heute mit Sicherheit wissen ist HR Personen haben eines NICHT - ZEIT! Also logischerweise werden sie keine Zeit verlieren um sich mit Ihrem Gedanken-Wirrwarr zu beschäftigen. Sie wissen was passiert, nicht wahr?

Der Abschluss

Zuerst mal «Gratulation»! Und gleich die Warnung - wenn Sie es bis hierher geschafft haben die Aufmerksamkeit Ihres Lesers aufrecht zu erhalten, machen Sie das bitte nicht «kaputt» mit unpassenden Abschluss-Formulierungen. Somit landen Sie je nach Anzahl BESSERER Treffer als Sie, entweder wieder auf dem Stapel «Auswahl» oder gar auf dem Stapel «Absage». Vergessen Sie nicht - Der erste Eindruck zählt, der letzte bleibt! Womöglich auch entscheidet...

Ein paar grundsätzliche Hinweise

Zum Glück gibt es kein «mustergültiges, vorbehaltloses Rezept» wie ein richtig guter, packender, persönlicher Brief aussehen soll. Ja, «zum Glück», denn gäbe es ein solches, dann werden sich viele daranhalten, womit wir wieder einen Haufen ähnliche, folglich langweilige Briefe haben werden.

Ein Motivations- oder Bewerbungsbrief überzeugt wenn es Ihre persönliche Note trägt, Ihre persönliche Motivation schildert und Ihren ganz bestimmten Mehrwert aufzeigt.

Zudem gibt es allgemeine «Aspekte», die helfen. Vorausgesetzt Sie nehmen sich die Zeit diese «auf sich, Ihre Situation, Ziel, zukünftiger Job und Firma» anzupassen. Ihr Brief kann persönlich, echt und attraktiv sein, auch dann, wenn Sie über sich behaupten – Sie können «nicht schreiben».

Als Erstes müssen Sie eines wissen! Nicht Ihr Lebenslauf DARF so und so viele Seiten nicht übersteigen. Das höre ich so oft und muss immer schmunzeln. Sehen Sie – wenn Ihr Lebenslauf 20, 30 Jahre Berufs-, Ausbildungs- und Lebenserfahrung widerspiegeln muss, dann werden Sie es kaum schaffen, das auf «max. zwei Seiten» übersichtlich darzustellen. Wiederum wenn Sie seit kurzem auf dem Arbeitsmarkt sind und je nach dem was Sie in dieser Zeit gemacht haben, können auch «zwei Seiten» zu viel sein. Also, nochmals, Ihr Lebenslauf muss zu Ihrem Werdegang passen und an erster Stelle aussagekräftig sein. Punkt.

Dem ist jedoch nicht so, wenn es um Ihr Motivationsschreiben geht – dieses soll sich wirklich nicht über mehr als eine Seite erstrecken. Um das zu schaffen, darf nicht die Schriftgrösse die Lösung sein. Je nach Schrift für welche Sie sich entschieden haben, muss diese die Voraussetzung «gut leserlich sein» erfüllen.

Die drei vorher erwähnten Blöcke sind einzuhalten. Es kann durchaus sein, dass aus Zeitmangel zuerst nur der Mittelteil gelesen wird. Daher ist es selbst erklärend, dass genau dort DAS stehen MUSS, was «Lust macht» sich mit Ihnen länger zu beschäftigen.

Die Darstellung erachte ich in diesem, mittleren Teil als entscheidend. Einer punktuellen Aufzählung Ihrer grössten PLUS Punkte für genau diese Stelle, würde ich gegenüber «einer Erzählungsform» den Vorrang geben. Mit einem Blick zu erfassen was der Bewerber kann ist doch viel einfacher als in einem Textabsatz nach den wichtigen Stichwörter zu suchen. Macht keiner…

Floskeln. Sie sind zuverlässig, pünktlich und arbeiten genau… Ach, was Sie nicht sagen?! Denken Sie wirklich, Sie sind damit «einmalig»? «Papier ist geduldig» sagt man und es ist tatsächlich so. Ich habe schon mit sehr unzuverlässigen und unpünktlichen Menschen zu tun gehabt, die auch nach 5 mal das Gleiche ansprechen immer noch die genau gleichen Fehlern machten… Sie behaupteten aber stichfest über sich, sie seien «zuverlässig, pünktlich und arbeiteten genau».

Auf der anderen Seite «verstehe» ich das Problem. Praktisch in jedem Inserat werden neben den klaren Fachkompetenzen auch «Sozial- und Methodenkompetenzen» aufgelistet. Sind zwar praktisch immer die Gleichen, aber sie verleiten schon schnell zu deren (gedankenlosen) Übernahme. «Vernetztes Denken, Kommunikations- und was-weiss-ich-Fähigkeiten, Verantwortungsbewusstsein, Kreativität...» werden vom Kandidaten erwartet. Also warum nicht gleich diese kopieren und in den Brief einsetzen?!

Falsch! Warum? Erstens, weil auch Inserat-Formulierungen einem bestimmten Muster folgen. Wir, die Aussenstehenden, wissen es doch – oft werden in Stelleninseraten Anforderungen platziert, die man kaum auch tatsächlich benötigt. Solche in Ihrem Brief «blindlings aufzuzählen» bringt Ihnen herzlich wenig. Dann kommt das nächste Problem dazu – «alle» Bewerber schreiben das Gleiche. HRs wissen das, und beachten solche "Bla-Blas" entsprechend kaum.

Sollte man also «Beteuerungen» darüber «was ich für ein toller Menschentyp bin» dann gleich ganz weglassen? Nein, nicht wirklich, jedoch schenken Sie diesem Teil nicht zu viel Zeit und Aufmerksamkeit. Und vor allem nicht zu viel Platz! Mit solchen «Allgemeinheiten» werden Sie NICHT herausstechen, sondern «einer von vielen sein». Und ob Sie tatsächlich «kommunikativ, zuverlässig und teamfähig sind» oder eben nicht, wird man relativ schnell merken. Mit oder ohne Ihrer «detaillierten Selbst-Beweihräucherung».

Seien Sie ehrlich! Ja, Sie haben es richtig gelesen. Ich BIN mit beiden Händen DAFÜR! Auch dann, wenn die Ehrlichkeit Ihnen «etwas abverlangt». Sehen Sie, es bringt keinem etwas sich «mit Federn zu schmücken», die einem gar nicht zustehen. Sie können etwas nicht?!(Fachliche Kompetenzen) Sagen Sie es! Schliesslich sollte es nicht darauf ankommen, ob Sie «ausnahmslos perfekt» sind. «Perfekt» ist sowieso keiner, ausnahmslos schon gar keiner. Es sollte aber definitiv darauf ankommen, wie Sie mit gewissen Mängeln umgehen. Ob Ihnen diese bewusst sind und – vor allem – was Sie dagegen machen wollen. Ihr gesamtes vorheriges Leben sollte «die Botschaft transportieren» - Ich arbeite an mir!

Und sind wir doch ehrlich zu uns selber – wenn eine HR Person oder zukünftiger Vorgesetzter nicht fähig ist Ihr wahres Potenzial zu erkennen, sondern sich selber nur an «Floskeln» hält, dann, na dann, müssen Sie für sich selbst entscheiden, ob Sie das suchen.

Sie trauen sich doch nicht «blinde Flecken» schon im Brief offen anzugehen? Ist in Ordnung. Was Sie jedoch unbedingt unterlassen sollten, ist zu lügen!

Ihr Bewerbungsbrief muss eine «Augenweide» sein. Somit ist nicht gemeint Sie sollten «Blümchen und Schmetterlinge zeichnen», um Gottes Willen nicht! Was gemeint ist, ist das Format. Das bedeutet, «die Aufmachung muss ansprechen» und zwar bevor der Betrachter auch nur einen Satz gelesen hat! Das «korrekte Format» ist keine Sache Ihres persönlichen Geschmackes. Mindestens dafür gibt es klare Regeln, also halten Sie sich daran.

Die Ausdrucksweise und die Grammatik sind auch von Bedeutung. Wobei, wie Sie sich ausdrücken hängt von Ihrer Persönlichkeit und von Ihrem Wortschatz ab. Dennoch ist es wichtig, dass sich Ihr Brief nicht wie eine trockene «wissenschaftliche Arbeit» oder ein verzweifeltes «Liebesgeheul» liest. Positiv, ehrlich, anmutig, gesund selbstbewusst, persönlich sind richtige Stichwörter. Die Firma, die Branche und das Inserat (die Art der Formulierung) nicht ausser Acht lassen. Wenn Sie «zwischen den Zeilen» lesen können, dann werden Sie relativ schnell merken, was und wie viel es an Emotion und Assoziation verträgt.

Jedoch auch der noch so packend geschriebene Brief geht «Bach ab» wenn Sie schon in den ersten 3 Sätzen fünf Fehler machen. Oder wenn der Firmenname, etwas in der Adresse, bei der Positionsbezeichnung oder in der Begrüssung orthographisch falsch geschrieben ist. Natürlich können Sie hoffen, dass die Person, die das liest, das nicht merkt oder selber auch Fehler macht. Ich würde jedoch eher meinen Brief jemandem zum Lesen und zum Korrigieren vorlegen, als mich darauf zu verlassen.

Also lassen Sie Ihr Schreiben «kontrollesen» wenn es um wichtige Briefe geht, wie z.B. Ihr Motivationsschreiben. Ich empfehle es Ihnen auch dann, wenn Sie über sich denken «ich mache keine Fehler». Gut für Sie, aber auch Sie können von einem weiteren Augenpaar profitieren. Bitten Sie ausdrücklich beim Lesen auch auf den Sinn des Geschriebenen zu achten. Versteht der Leser etwas nicht und muss er oder sie nachfragen «Was meinst Du damit?» dann nehmen Sie diesen Teil genauer unter die Lupe. Denn KEINE HR-Person wird Sie mit der gleichen Frage kontaktieren. Und Sie wissen was das heisst, nicht?

Wenn Sie daran sind Ihren nächsten Bewerbungsbrief zu schreiben, hätten Sie sich bestimmt genaue Formulierungen gewünscht. Habe ich bewusst darauf verzichtet. Es gibt sowieso zu viele «Beispiele» im Netz. Berichte über Berichte mit dramatischen Titeln «Diese Sätze sind tödlich...», «Das sollten Sie unbedingt schreiben...», «Mit Schlagfertigkeit zum sicheren Erfolg...» usw. usf.

Und wissen Sie was? Ich würde keinen davon 1:1 übernehmen. Eine «Zusammensetzung» aus mehreren «Beispielen» finde ich auch nicht «die wahre Lösung». Fänge ich an zu überschreiben, dann wird am Schluss nicht mehr viel aus dem ursprünglichen Beispiel übrig bleiben. Schliesslich ergibt das Aufwand mit fragwürdigen Resultaten. Dafür gibt es eine einfache Erklärung: all diese «Beispiele» sind weder «ich», noch entsprechen «meiner Situation». Je nachdem wo und wofür ich mich bewerbe, lesen sich meine Briefe total anders. Also – Sie können sich ruhig von den Internetbeispielen bedienen. Für die ganz faulen unter Ihnen gibt es sogar fix-fertige «Vorlagen», tja… Damit Eindruck zu machen und den Leser halten zu können, ist eher unwahrscheinlich.

Wie Sie schon mit Ihrem Bewerbungsbrief punkten bespreche ich sehr gerne persönlich mit Ihnen. Ich kann Ihnen helfen! Dafür ist es aber unabdingbar, Sie zu kennen und zu verstehen.

«Wenn etwas leicht zu lesen ist, dann war es schwer zu schreiben.» hat der Schriftsteller Enrique Jardiel Poncela mal gesagt. Und dem ist wirklich nicht viel hinzuzufügen.

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