• Kremena Doynov

Gehen kann man immer...



Eigentlich crazy – für mein Business sind Menschen „interessant“, die die Entscheidung zu künden schon getroffen oder sogar vollzogen haben. Sollte man denken. Doch ich habe oft genug auch mit Menschen gearbeitet, die besser abgewartet hätten. Menschen, die bevor sie sich der Illusion hingegeben haben „beim Nächsten wird alles anders, und vor allem besser“ – einiges am bekannten und oft auch vertrauten Arbeitsplatz in Bewegung gesetzt hätten. Genug Fälle erlebt, wo es von Vorteil gewesen wäre…

Bist Du auch jemand, der/die bei seiner/ihrer jetzigen Stelle unglücklich ist und „tagträumt“ was bei der nächsten Stelle anders und besser sein soll? Dann ist dieser Text für Dich!

Gleich zu Beginn: Für Dein Job-Glück ist – Entschuldigung – niemals jemand anders verantwortlich als Du selbst. Ach, das weisst Du schon? OK. Etwas anders ist es was Dein Job-UNglück betrifft, in dieser Situation kann man „niemals“ mit „selten“ austauschen. Dann wird sich das so lesen: Für Dein Job-UNGlück ist – Entschuldigung – in seltenen Situationen jemand anders verantwortlich als Du selbst. War das auch für Dich so klar wie vorhin? Oder bist Du jemand der stark dazu tendiert die Firma, den Chef, die Kollegen, die Aufgaben, die Perspektiven, den Lohn, den Arbeitsweg, die Belastung usw. usf. dafür verantwortlich zu machen? Quasi, wenn Du unzufrieden bist zu denken „ich mache alles richtig, aber … der Rest…“?

Na gut, dann sehen wir uns mal an, was noch beim jetzigen Arbeitgeber geht und was ein klares Zeichen ist, dass Deine Job-Reise weiter gehen sollte.


Wie oft fühlst Du dich ausgebrannt?
Alle, wirklich alle, auch diejenigen, die in einer ununterbrochenen Job-Ekstase zu sein scheinen, haben Hänger. Tage, ja gar Wochen, in denen nichts so läuft, wie es soll. Zeiten, in denen es scheint, dass – wenn nicht die ganze dann zumindest – die Arbeitswelt sich „gegen einem“ gestellt hat. Zeiten, in denen man kaum das Wochenende abwarten kann und der Montag fällt einem schwer… Auch alle „Glücklichen“ erleben Phasen des unangenehmen Hochdrucks.

Wenn man etwas gerne macht, kann so eine Phase eine ziemlich lange Zeit ausgehalten werden. Ganz anders, wenn es sich um Aufgaben handelt, die einem – auch in normalen Phasen – keine Freude bereiten. Dann katapultiert sich der Frustpegel innert kürzester Zeit aufs Maximum.

Aber warum „können die einen“ und die anderen fühlen sich schnell ausgebrannt, überfordert, falsch eingesetzt, einem steten Chaos ausgesetzt oder was auch immer, und neigen dazu ins Tief zu fallen? Liegt es wirklich nur an der Freude und dem Ausmass der Aufgaben oder auch an einem selbst, quasi der eigenen Einstellung?

Meine Erfahrung spricht eindeutig dafür, dass wenn sich jemand oft beschwert „zu viel, zu häufig und zu stark in Arbeit zu versinken“, das auch jemand ist, der auch sonst in einer Art „die Anderen sind schuld-Spirale“ steckt, egal zu welchem Thema, auch ausserhalb des Jobs. Das bedeutet, das sind Menschen, die sehr darauf bedacht sind, andere zufrieden zu stellen oder gut vor anderen da zu stehen, daher zur "Selbstschutz" neigen, wenn etwas nicht funktioniert. Oft sind das auch Menschen, die nicht planen können oder aber es „nur auf Papier“ tun. Und ganz, ganz wichtig – das sind auch Menschen, die nicht faulenzen können. Ja, richtig gelesen! Faulenzen! Ihre persönliche Identifikation geht nur über den Job bzw. was sie erledigt und/oder erreicht haben. Sie können nicht abschalten und denken nur an „was noch zu tun ist“. Solche Menschen täten gut daran wirklich auszuprobieren, ob die Welt untergehen würde, wenn sie mal Fristen verlängern oder gar „Nein“ zu etwas sagen würden. Ich wette mit jedem, dass die Welt 100% nicht untergehen wird, und sich die Auslastungssituation in 9 von 10 Fällen sogar entspannen wird.


Wie oft fühlst Du dich unverstanden?
Das ist, nach meiner Auffassung, der zweithäufigste Grund, der (zu) oft zu t.w. „unnötigen Trennungen“ führt. Nicht nur im privaten. Dabei wissen auch die Kinder – man sollte doch seine Bedürfnisse und Gefühle mitteilen, darüber sprechen. Machen tun es dann doch die wenigsten, egal ob im Job oder im Privaten.

Wie oft verlassen wir uns im Arbeitsumfeld darauf, dass der Chef oder das Team von sich aus merken wird, wenn es für einen nicht (mehr) stimmt? Viel zu oft! Von hier bis zur grossen Enttäuschung und dem Frustgedanken „mich versteht keiner, zu mir steht keiner, mich nimmt keiner ernst“ in die man immer tiefer und tiefer versinkt, ist kein weiter Weg mehr. Mit „der Faust im Sack“ geht man Tag ein Tag aus an die Arbeit, und denkt sich – hier genau umgekehrt – man wird das nicht merken. Falsch gedacht! Genau so kann es so weit kommen, dass die Firma sich von einem „überraschend“ trennt. Also teilt mit, was ihr wollt, oder eben NICHT wollt. Was ihr anders machen würdet und warum?

Wenn ich zurückdenke, konnten wir mit Kunden in ein paar Fällen die eigene Kündigung genau mit dieser Taktik und diesem Vorgehen abwenden… „und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute glücklich“, so sah es aus nachdem wir wirklich überlegt und vorbereitet haben „was es ist und wie es sein kann“.

In beiden Fällen wichtig!
Bereite Dich vor! Egal worum es geht, was dein Thema ist, geht es in erster Linie nicht nur darum zu jammern und sich zu beschweren, sondern Deine These zu begründen. Lege Fakten und Tatsachen auf den Tisch.

Ein Beispiel? Dein Arbeitsweg ist zu lang und das kostet Dich viel Energie (Wie zeigt sich das?) und Zeit (wie viel genau?), die Du lieber in etwas produktives stecken würdest (was kannst Du in dieser Zeit bewirken bzw. erledigen?)? Was gibt es an anderen Möglichkeiten? Wie kann man das lösen? Überlege schon im Vorfeld, was machbar wäre, aber halte nicht NUR an Deinen Lösungen fest. Homeoffice, eine andere - Deinem Wohnort nähere – Filiale, Pensums-Reduktion, Arbeiten von Unterwegs (ÖV), arbeiten an einem Ort näher Deines Wohnortes (Coworking Spaces), Teil von den Reisezeiten an die Arbeitszeiten anrechnen etc. Zwischen „Schwarz und Weiss“ gibt es noch so viel mehr…

Wenn auch das nur ein Beispiel ist, will ich damit nur zeigen, dass wenn einem etwas so stark beschäftigt und „auf dem Magen liegt“, dass man ernsthaft und ständig mit dem Gedanken spielt, alles übers Bord zu werfen und das Job-Glück an einem anderen Ort zu suchen, es sich immer lohnt zuerst nach einer Lösung „vor Ort“ zu suchen. Es zumindest zu versuchen! Denn auch Du hast keine Garantie, dass „nachher“ beim Neuen alles besser wird. Also wieso das Unbekannte riskieren, wenn man das Vertraute ändern könnte?

Doch bitte sei realistisch und – ja! – auch selbstkritisch. Liegt es wirklich immer nur an den anderen bzw. an etwas was „ausserhalb Deiner Kontrolle“ liegt?

Wenn Du bei so einem Gespräch gute Aussichten auf Erfolg haben willst, ist es enorm wichtig zu zeigen, dass Dir auch wirklich etwas an einer Lösung liegt. Es ist eine schlechte Idee rasch mit „ansonsten Kündigung“ zu drohen – weder ausgesprochen noch durch Dein Auftreten und Verhalten abzuleiten.

Ein ganz wichtiges Element eines solchen Klärungs-/Lösungsgespräch ist es nicht NUR negativ zu sein und nur die Probleme anzusprechen. Bereite Dich auch gut vor was Du an Deiner Arbeit magst, warum tust Du das was Du tust auch gerne? Warum ist es Dir wichtig eine für alle tragbare Lösung zu suchen und zu finden? Nein, nein, der Grund (für Dich) darf nicht ausschliesslich „Angst vor Arbeitslosigkeit“ sein, und wenn das so ist, dann bist Du tatsächlich an einem Punkt angelangt, wo es schwer wird eine Lösung für Dich zu finden, die Dich auch „glücklich“ machen kann. Denn glaube mir, wenn Du nur aus Angst bleibst, wird die Wirkung jedes Lösungsvorschlags schnell wieder verpuffen.

Und wann sollst Du wirklich gehen?
Das ist ganz einfach: wenn Deine Gesundheit – physische und/oder psychische – darunter leidet! Oder Du kurz davorstehst. Wenn Du wirklich, gekonnt und ernsthaft versucht hast, eine „Trennung“ abzuwenden, jedoch erfolglos. Ja, dann - hol Dir Hilfe und gehe!

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