• Kremena Doynov

Ein Plädoyer für die Wirklichkeit (Dann klappt's auch mit dem RAV Berater!)


«20 Minuten» grüsste letzten Dezember zum Thema RAV und den Erfahrungen von Versicherten dazu. Die «Büchse der Pandora» wurde geöffnet.

Mich veranlassen solche Berichte nachzudenken. Natürlich vergleiche ich das Gelesene mit meinen persönlichen Erfahrungen, selber als Stellensuchende, genauso wie auch als mit Stellensuchenden arbeitend.

Die enorme Frustrationswelle, die ans Tageslicht kam veranlasst mich die Frage zu stellen «Was ist da falsch gelaufen?». Und irgendwie lässt mich der Gedanke nicht los, dass sehr viele Menschen wenig Ahnung haben was genau in der Phase einer Stellensuche abgeht. Sie blenden gerne aus, dass ihre Rechte mit einigen, nicht zu unterschätzenden Pflichten verbunden sind. In der Phase der Arbeitslosigkeit verlassen und stützen sich viele AL Versicherte lieber auf total falsche Annahmen und irreführende Interpretationen. Anstatt sich einzulesen und wirklich zu informieren, hören sich viele lieber die Stories anderer an, meistens sehr einseitig erzählt, teilweise sogar ziemlich «märchenhaft», doch trotzdem sind sie bereit alles 1:1 zu glauben.

Noch schlimmer - eine beträchtliche Anzahl von Stellensuchenden stellen sich ganz darauf ein: RAV = (Zitat) «Sklaverei». Sie «programmieren» sich selber und ausschliesslich auf Hindernisse, Hürden und Widerstand...


...und somit fangen die Probleme schon an…

Dass nicht alle RAV Beratenden ausnahmslos die nettesten Menschen sein können, lasse ich gelten. Menschen, die ungern mitdenken und sich viel lieber hinter Gesetzen, Regeln und Weisungen «von oben» verstecken, statt proaktiv und engagiert zu agieren, gibt es überall. Nur auf die Gelegenheit ihre vermeintliche «Macht» auszuspielen wartende Mitarbeiter gibt es in jede Berufsgattung.

Warum auch nicht beim RAV?

Doch bevor man nach der totalen RAV Abschaffung ruft, sollte man auch in Betracht ziehen womit sich die RAV Beratenden Tag ein Tag aus herumschlagen. In was für «ein Sandwich» zwischen Gesetzen, Ämtern und persönlichen Lebensgeschichten sie sich befinden. Nicht zuletzt sollte auch berücksichtigt werden, wie viele Versicherte es gibt, die der einzigen, festen Überzeugung sind «RAV ist mir etwas schuldig», folglich so auftreten und sich absolut unkooperativ verhalten. Das sollten wir auch gelten lassen, meinen Sie nicht auch? Aber ganz sicher!

Der Aufschrei der Leser war gross. Über 1'000 Kommentare. Schätzungsweise 90% davon weit mehr als einfach nur kritisch, teilweise sogar sehr beleidigend. Darunter waren einzelne Geschichten zu lesen, welche die Frage «kann das wahr sein, oder will man, versteckt hinter der Anonymität, einfach seinen allgemeinen Frust los werden?» erzwungen haben. Viele verzehrte Annahmen, falsche Einstellungen und unberechtigte Erwartungen kamen eindeutig ans Tageslicht.

Die meistvertretenen darunter nehme ich auf und versuche

- als Aussenstehende, die doch mit beiden Parteien zu tun hat -

für die Realität zu plädieren.

(Der Text wird lang. Ich wollte ihn bewusst nicht aufteilen. Um es leserlicher zu machen werde ich nur die männliche Form nutzen, selbstverständlich ist damit auch die weibliche Form gemeint. Den Bericht auf einmal lesen muss man nicht; besser jedesmal, wenn das Gefühl «RAV ist gegen mich» aufkommt, den entsprechenden Punkt genauer unter die Luppe nehmen. Vielleicht wird dadurch einiges klarer und das hilft sich konstruktiv zu verhalten.)

RAV zahlt mich nicht pünktlich aus

Liebe «RAV geplagten» Menschen, RAV zahlt sie überhaupt nicht. Weder pünktlich, noch unpünktlich. Für die Zahlungen ist einzig und allein die ARBEITSLOSENKASSE, an der Sie angeschlossen sind, zuständig. Merken Sie sich – das RAV, das Sie monatlich besuchen und die an Sie auszahlende AL Kasse sind zwei total unterschiedliche Paar Stiefel.

Ein Tipp: wenn Sie das nächste Mal ihr Geld nicht zeitlich erhalten, rufen Sie nicht gleich ihren RAV Berater an. Allenfalls verzögert das nur die Auszahlung, denn er muss auch zuerst alles abklären. Und zwar dort wo Sie es auch gleich selber hätten machen können - bei der AL Kasse. Viel besser und wirksamer ist es, Sie nehmen eine alte Abrechnung in die Hand und rufen direkt die Nummer an, die dort draufsteht – diejenige Ihrer AL Kasse. Somit erfahren Sie aus erster Hand was zur Verzögerung geführt hat. In den meisten Fällen liegt der Grund darin, dass bei den für eine Auszahlung notwendigen Unterlagen noch irgendetwas fehlt. Wenn das nicht Ihnen zuzuschreiben ist, also Sie haben wirklich, aber WIRKLICH ALLES pünktlich und vollständig eingereicht, dann werden Sie dort aktiv, wo das Problem ist. Vergessen Sie jedoch nicht, dass wo Menschen arbeiten, auch Fehler passieren können. Wo die Technik (E-Mails) am Werk ist ebenfalls. Nicht selten sind das ungewollte Fehler, auch wenn es sich für Sie vielleicht anders anfühlt. Erst wenn ohne Ihr Verschulden die Auszahlung wiederholt ausbleibt, können Sie sich gegen die «Bremse» schriftlich bei der hierarchisch höheren Position beschweren. Bitte belegen Sie dann die Fehler chronologisch und unmissverständlich!

RAV muss mich bezahlen, schliesslich habe ich auch jahrelang einbezahlt

Eine - in dieser Form - weitere falsche Interpretation! Nicht nur weil - wie erklärt - Sie nicht vom RAV bezahlt werden, sondern weil Ihnen wirklich niemand, im eigentlichen Sinne des Wortes, zu etwas verpflichtet ist.

Es tut mir leid für die offene, direkte und womöglich schmerzhafte Verkündung. Warten Sie, warten Sie, «explodieren» Sie bitte nicht gleich.

Gewiss haben Sie in der Phase Ihrer Stellungslosigkeit Anrecht auf Arbeitslosen Unterstützung! Zumindest in den meisten Fällen. Allerdings ist diese alles andere als eine «unumstrittene Pflicht», die um jeden Preis und unter allen Umständen nachzukommen ist! Vom RAV sowieso nicht, aber auch die ALK ist Ihnen gegenüber nicht verpflichtet sang- und klanglos einfach Ende Monat Geld auf Ihr Konto zu überweisen.

Ganz im Gegenteil – um AL Geld zu erhalten, sind Sie derjenige, der VERPFLICHTET ist mehrere Bedingungen zu erfüllen! Ich weiss, eine unangenehme Tatsache, aber trotzdem ein Fakt! Sie helfen sich selber und ungemein, sich genau über das Thema zu informieren. Einige Tatsachen: Sie müssen sich ernsthaft und wirksam für eine neue Stelle bemühen und zwar sobald Sie von Arbeitslosigkeit bedroht sind und nicht erst am ersten, «arbeitsfreien» Tag! Oder aber auch «vermittelbar» sein. Sie sollten auch Ihre sog. Arbeitsbemühungen pünktlich und vollständig einreichen…usw. usf.

Alle IHRE PFLICHTEN, die zu Ihrem Recht auf AL Unterstützung führen, sind vorerst mit gesetzlichen Voraussetzungen verbunden. Diese unterliegen nicht der persönlichen Interpretation jedes einzelnen Versicherten. «Persönliche Interpretationen» führen meistens zu halbherziger Pflichterfüllung, und das wiederum bindet die Hände jedes noch so lieben RAV Beraters.

Denn sind wir doch ehrlich - privat kennt jeder sicher mind. eine stellensuchende Person, die diese Phase eher als «bezahlte Ferien» hielt. Gewiss kann auch jeder, der mal mit Stellensuchenden beruflich zu tun gehabt hat viele Geschichten erzählen über die Art und Weise wie Stellensuchende mit diesen – nochmals zu betonen - gesetzlichen Bedingungen umgehen, welche einem die Haare zu Berge stehen lassen.

Es spielt meistens sowieso keine Rolle um welches Thema es sich handelt; allein die überzeugte Einstellung und Behauptung «ich habe ein unumstrittenes Recht auf…», wenn kein pflichtbefreites Recht einfach so vorhanden ist, führt manche Menschen auf die falsche Spur ihres Verhaltens. Zwischen dem und den Problemen, über die viele aufgeregt berichteten, ist ein sehr, sehr schmaler Grad!

Die Arbeitslosenversicherung ist eine Solidaritäts- bzw. Sozialversicherung

So behauptet - irrtümlich! Die ALV ist kein Ausdruck einer Solidarität! Sie ist auch keine «Sozialversicherung», zumindest nicht in dem Umfang und in der Gestaltung, die sich einige «gerne» ausdenken. Am liebsten würde ich die ALV mit «einer Privatversicherung auf staatlicher Basis» umschreiben... Doch diesen Begriff gibt es in dieser Form nicht, weshalb ich die Funktionalität etwas genauer erklären werde.

Während Ihrer Anstellung waren Sie gegen Arbeitslosigkeit versichert und haben knapp ein Prozent Ihres Jahreslohnes dafür eingezahlt, genauer gesagt 1.1%. So viel hat auch Ihr Arbeitgeber entrichtet. Beanspruchen Sie nun die Versicherung, verpflichtet das niemanden, aber wirklich niemanden sich mit Ihnen «solidarisch» zu zeigen. Oder anders ausgedrückt: Menschen, die während Ihrer Stellenlosigkeit angestellt sind und dieses Prozent aus ihrem Lohn einzahlen, finanzieren damit NICHT Ihre laufenden AL Leistungen, wie das zum Bsp. bei der AHV der Fall ist (Solidaritätsprinzip). Die ALV ist auf einem anderen Prinzip aufgebaut, über das jeder lesen kann. Kurz und bündig: «Ihr Topf», in den Sie einbezahlt haben, ist ein ganz anderer als «der Topf» wo die aktuell Versicherten einzahlen.

Es ist auch hilfreich zu begreifen, dass der «eigene Topf», je nach Leistungsdauer und -höhe während einem Bezug, manchmal bei weitem nicht ausreichend ist, um die beanspruchten Leistungen zu decken. Deshalb wird die ALV auch auf andere, zusätzliche Wege finanziert, dafür muss sie aber auch weitere Leistungen decken. Auch darüber können Sie sich informieren, bevor Sie stur behaupten «Ich habe genug lange einbezahlt, jetzt bin ich arbeitslos, also haben sie brav zu bezahlen!». Das ist schlicht und einfach so nicht wahr.

Bis zu einem gewissen Punkt verstehe ich, dass man die AL Leistungen als «soziale Leistungen» annimmt, schliesslich ist man ja «in Not». Doch auch zu diesem Begriff machen Sie sich einen Gefallen sich genau zu informieren, bevor Sie sich völlig falschen Erwartungen und Definitionen hingeben. «Sozial» ist die Versicherung höchstens deshalb, weil sie dafür sorgt, dass – vorausgesetzt Sie erfüllen alle Voraussetzungen – Sie nicht aus dem Alltag herausfallen. Doch sie ist nicht «sozial» im Sinne «sie muss Sie um jeden Preis, unter allen Umständen» und schon gar nicht «auf Rechnung jemand anderes» retten.

Das RAV schikaniert mich (nur)

Wie ich schon einführend geschrieben habe, gibt es gewiss auch unter den RAV Mitarbeitern Angestellte, die ihre Aufgaben auf eine Art und Weise ausüben, die einem als «Schikane» vorkommen kann. Doch sind die meisten so und denken sie «von morgen bis Abend» nur daran, wie sie Ihr Leben schwer machen können?! Ich zweifle stark, sehr stark, daran! Sicher gelingt es nicht jedem RAV Berater sich «elegant» im Konfliktfeld zwischen «persönlichen Schicksalen» und «Gesetzen und Verordnungen» zu bewegen. Gewiss liegt es nicht jedem dieses «Minenfeld» sensibel zu betreten. Doch oft, sehr oft sind es genau die Versicherten, die mit ihrer Einstellung zum Thema und ihrem daraus resultierenden Verhalten, einem auch kaum ein andere Wahl lassen, als sich «auf Artikel und Paragraphen» zu stützen.

Ein weiterer erschwerender Faktor ist, dass generell und insbesondere in problematischen Lebenslagen, jeder Mensch dazu tendiert, seine persönliche Situation als «einmalig» zu betrachten und zu erwarten, «gesondert» und «ausnahmslos verständnisvoll» behandelt zu werden. Doch in Anbetracht der vielen, unterschiedlichen «persönlichen Situationen» mit denen ein RAV Berater tagtäglich konfrontiert ist, sollte es naheliegend sein, dass ein «ständig liebevoller und persönlicher Umgang» mit jedem einzelnen schlicht und einfach unrealistisch ist.

Wären Sie «ein RAV Berater», wäre es für Sie auch nicht anders, egal wie Sie sich heute «selbsteinschätzend» sehen.

Wären Sie «ein RAV Berater», würden Sie auch plötzlich und hautnah erleben wie oft Sie für «dumm verkauft werden». Keine angenehme Situation, die auch bei den geduldigsten Menschen irgendwann zu einem «Kurzschluss» führen kann, der – vielleicht – auch mal «den Falschen» trifft.

Wiederum stimmt es auch: wo Menschen arbeiten, kann es «menscheln», keine Frage! Also, wenn Sie völlig abgesichert der Meinung sind «ich habe meinen Pflichtteil exakt wie vereinbart und gesetzeskonform erfüllt, doch der RAV MA hat etwas gegen mich persönlich und behandelt mich völlig zu Unrecht schikanös», dann vergessen Sie nicht – Sie haben Rechte!

Damit ist jedoch kein Recht gemeint «sich so zu verhalten, wie es einem gerade passt, weil man sich in weiss nicht was für einer Situation befindet». Dieses Recht räumt auch nicht ein (ständiges) Verständnis dafür ein, was Sie «wollen oder nicht wollen, können oder nicht können...». Erst recht nicht, wenn Ihre Vorstellungen im klaren Widerspruch mit dem Gesetz sind.

Damit ist nur das Recht, IHR RECHT als Mensch, mit dem nötigen Respekt und im Rahmen des Gesetzes korrekt behandelt zu werden gemeint! Wenn das nicht der Fall ist, wenn Sie klar darlegen können, dass Ihr Berater Sie zu Unrecht schikanös behandelt und nur damit beschäftigt ist Ihnen «Steine auf den Weg zu legen», wenn Sie belegen können, dass alle Ihre Versuche die Kommunikation auf eine respektvolle Ebene zu bringen gescheitert sind, dann kümmern Sie sich um Ihr Recht. Jeder RAV Berater hat einen Vorgesetzten, und dieser Vorgesetzte hat auch einen. Dann gibt es auch diverse Rechtsberatungsstellen, viele davon auch kostenlos. Also «allein gegen das Böse» sind Sie auf gar keinen Fall.

Aber bitte, bitte vergewissern Sie sich immer zuerst, dass «der Hund nicht irgendwo bei Ihnen selber begraben ist». Und noch eine Bitte – bevor Sie sich auf den Weg machen Ihr Recht mit Recht durchzusetzen: verabschieden Sie sich restlos von der Rolle des «unschuldigen und ewigen Opfers». Erstens wird sowas nicht wirken und auch nicht helfen. Zweitens macht so eine Einstellung oft «blind» für die eigenen Fehler.

RAV vermittelt mir keine Stellen

Dass jemand zu den «Regionalen Arbeitsvermittlungszentren» geht und sich darauf EINSTELLT «dort wird mir eine Stelle vermittelt» ist teilweise verständlich. Die Bezeichnung stellt tatsächlich eine Situation dar, die falsche Erwartungen wecken kann.

Aber ACHTUNG! Bevor jemand wettert «RAV hat mir noch nie eine Stelle vermittelt», empfehle ich wärmstens die eigene Definition dieser Erwartung präzise zu überprüfen. Was heisst «eine Stelle vermitteln» für Sie genau? Heisst es «vermitteln» = finden? Falls «ja», ist die schlechte Nachricht: Das ist eine absolut falsche Erwartung!

Niemand, wirklich niemand, weder beim RAV, noch sonst wo, ist Ihnen zur Findung einer Stelle «verpflichtet»! Das ist Ihre, IHRE, NUR IHRE Aufgabe!

Doch, dass das RAV mögliche Stellen vermittelt (=zuspielt / darüber informiert / bei der Suche unterstützt) ist durchaus zu erwarten. RAVs tun es auch, indem sie z.B. schon beim ersten Gespräch auf den Link zum «jobagent» aufmerksam machen. Die Idee dieser Plattform wäre gar nicht so schlecht. Dort sollten nicht nur Stellen ausgeschrieben werden, sondern auch Unternehmen sollten selber unter den vorhandenen Stellensuchenden nach passenden Kandidaten Umschau halten. Ziel dieser Plattform ist auch, dass Stellen «mit Vorrang», also etwas früher als z.B. unter jobs.ch, ausgeschrieben werden. All das könnte funktionieren, wenn Versicherte alles richtig machen und wenn Unternehmen, die offene Stellen haben, auch alles richtig machen würden.

Doch, wenn das Wort «wenn» nicht wäre

Denn weder die Versicherten machen es durchs Band korrekt (aktuelles, optimales Dossier hochladen; gute Jobabos erstellen; schnell und richtig auf passende Jobinserate reagieren usw.) noch – gar noch weniger – die Unternehmen. Wir wissen heute wo und wie sie suchen… Wir wissen heute auch, dass die meisten Stellen nie ausgeschrieben werden, sondern «unter der Hand» vergeben werden. Also, das RAV bemüht sich eine Möglichkeit mehr zu bieten, eine passende Stelle zu finden. Dass es nicht wirklich funktioniert, ist nicht die Schuld des RAV.

Was viele RAV Berater auch machen ist «ihren Kunden» wirklich aktiv offene Stellen «zuzuweisen». Anders ausgedrückt – Sie machen auf eine offene Vakanz aufmerksam, indem sie eine Stellenausschreibung in die Hand einer oder mehreren ihrer Versicherten drücken mit der Empfehlung, Anweisung, oder von mir aus auch dem «Befehl», sich dort zu bewerben.

Naja, ich auf jeden Fall kenne kaum einen lebenden Fall persönlich, der darüber froh und dankbar war! In einer solchen Situation ist vorwiegend zu hören «das ist nicht eine Stelle, die ich will/die zu mir passt…» gefolgt von einem Haufen Argumenten «dagegen». Mit, ohne Recht steht nicht einmal im Vordergrund. Es geht nur darum, dass es irgendwie widersprüchlich ist, sich einerseits zu beschweren «keine Stellenangebote vermittelt zu erhalten», andererseits sich auch zu beschweren, wenn man solche erhält.

Deshalb, wenn Sie auch jemand sind, der sich beschwert bedenken Sie einfach – RAV hat Ihnen vielleicht schon mal offene Vakanzen zugewiesen, darunter waren einfach noch keine, die Ihnen «geschmeckt» haben. RAV muss das aber auch gar nicht! Denn die Regel ist ganz klar - eine Stelle muss NUR zumutbar sein. Zumutbar ist nicht gleich mit «perfekt» zu stellen.

In solchen Momenten wäre es sehr von Vorteil sich auf die Pflicht zu besinnen «eine zumutbare Beschäftigung ist anzunehmen». «Zumutbar» ist auch nicht zwingend «bequem». «Zumutbar» heisst nicht «um die Ecke, ausschliesslich in meinem Bereich, 1:1 meinen Qualifikationen gerecht und passend, mit einem guten Lohn und auf alle meine persönlichen Faktoren Rücksicht nehmend». Das ist die raue Realität, die – zugegeben – auch mir nicht passen würde, müsste ich mich etwas beugen, was ich nicht will. Ist das zu verhindern? Aber klar doch! Indem man selber, wirklich aktiv und wirklich ernsthaft, die in seinen Augen «zumutbare» Stelle sucht!

Und zuletzt, wenn auch nicht als letztes – lassen Sie uns die Augen kurz schliessen und ein wenig über eine «RAV perfekte Welt» träumen: Jeder einzelne RAV Berater hat Zugriff auf ein breites und gut funktionierendes Netzwerk, wo er ständig Kenntnis über Stellen erhält, die GENAU auf jeden einzelnen seiner Versicherten zugeschnitten sind. Himmlisch!

Aber, dass «der Osterhase» nicht wirklich existiert - das wissen wir alle, oder?!?

Auch hier ein gut gemeinter Rat: Bedenken Sie bitte immer zuerst, dass Sie weder der einzige noch der einmaligste Stellensuchende sind. Ihr Wunschdenken: «RAV vermittelt mir eine ZU MIR PERFEKT UND GENAU PASSENDE Stelle» verstehe ich vielleicht, doch das ist in den meisten realen Fällen eine Illusion, die Sie besser gleich weglassen.

Anstatt ausschliesslich das RAV-Netzwerk zu kritisieren, konzentrieren Sie sich viel lieber in auf Ihr eigenes. Das gleiche gilt auch betr. den Stellenfindungs-Bemühungen - lieber zuerst immer die eigenen gewissenhaft beurteilen, bevor man diejenigen anderer, inkl. diejenigen vom RAV, kritisiert. Sie wollen Fairness? Dann bleiben Sie auch fair!

RAV Berater haben keine Ahnung

Auch hier schlage ich vor, dass wir uns zuerst über den angebrachten, realistischen Umfang von «Ahnung der RAV Berater» einig werden.

Stellen wir uns zuerst mal die Fragen:


  • Kann ein RAV Berater jede noch so «moderne und ausgefallene» Berufsbezeichnung und/oder Ausbildungsrichtung im Detail kennen?

Nein, kann er nicht!


  • Kann ein RAV Berater über Expertenwissen verfügen, was in jedem beruflichen Pflichtenheft geschrieben steht?

Nein, kann er nicht!


  • Muss der RAV Berater über jedes medizinische Leiden oder persönliche Hindernis Bescheid wissen?

Nein, muss er nicht!


  • Muss ein RAV Berater sofort in Ihnen «den Experten» in Ihrem bestimmten Bereich erkennen?

Nein, muss er nicht!


  • Kann der RAV Berater immer Rücksicht auf Ihre ganz persönliche berufliche, familiäre, finanzielle, emotionale usw. Lage nehmen?

Nein, auch das kann er nicht!


  • Ist der RAV Berater ausschliesslich und unter allen Umständen dazu verpflichtet Sie von der Arbeitslosigkeit zu retten?

Nein, auch das gehört leider nicht in sein «Pflichtenheft».


  • Ist der RAV Berater Ihr vom Staat zugewiesener, «persönlicher Seelenklempner»? Ihr «Diener»? Ihr «Retter»?

Nein, um Gotteswillen, ist er NICHT!

Wenn Sie Glück haben, landen Sie vielleicht bei einem RAV Berater, der ein breites allgemeines Wissen hat, auf eine grosse Berufs- und Lebenserfahrung zurückgreifen kann und über ausgereifte Sozialkompetenzen und Menschenkenntnisse verfügt. Das «allein» wird jedoch immer noch nicht ausreichen, dazu sollte er auch noch ein ausgesprochen hohes und konstantes Engagement an den Tag legen.

In Tat und Wahrheit sieht die Welt jedoch anders. Damit meine ich die Welt überhaupt, nicht nur die «RAV-Welt». Die perfekte Kombination solcher ausgereiften Qualitäten und Eigenschaften ist rar bei den meisten Menschen, egal in welchem Berufsfeld sie tätig sind und was sie für eine Position belegen. RAV Angestellte machen da keine Ausnahme.

Dazu kommt auch die omnipräsente Komponente «Zeit». In Zeiten hunderttausender Arbeitslosen verfügen RAV Berater oft schlicht und einfach nicht über die nötigen Zeitkapazitäten um einem solchen Wunschdenken von jedem einzelnen gerecht zu werden. Deshalb kann es durchaus vorkommen, dass man sich beim RAV wie «eine Nummer» vorkommt. Das ist Teil der Realität. Zugegeben, schön ist das nicht! Aber wer hat jemals versprochen: Beim RAV ist es schön!?

Genau niemand!

Können Sie trotzdem etwas dagegen unternehmen? Ja, durchaus. Sie können zumindest versuchen die Situation zu entspannen. Wie? Anstatt immer «die Faust in der Hosentasche» zu machen, immer vom Schlimmsten auszugehen und sich links und rechts zu beschweren «was für Idioten die vom RAV sind»… versuchen Sie es einfach einmal anders. Zum Beispiel, versuchen Sie Ihrem RAV Berater auf eine konstruktive Art und Weise zu erklären was Sie können, was Sie alles schon gemacht haben, wie Ihre Bemühungen um eine Stelle zu finden aussehen, was Sie für Aussichten haben, wo Ihre Stärken und Grenzen sind... etc.

Über sich klar, deutlich, verständlich, souverän und aufrichtig zu sprechen - auch in «einer Stresssituation» - das sollten Sie können, schliesslich haben Sie ja vor sich zu bewerben, nicht wahr?!

Überlegen Sie sich auch ernsthaft ob parallel zur «Abneigung des RAV Beraters sich mit Ihrer Situation auseinander zu setzen», die Spannungen nicht auch an «Ihrer Manier» liegen. Ob nicht auch Ihr Vorgehen und Ihre Einstellung zu «unüberbrückbaren Differenzen» führen?!

Viele beschweren sich: «Mein RAV Berater interessiert sich nur über die Anzahl Bewerbungen». Gut möglich. Wissen Sie aber was ich erlebe? Mit Stellensuchenden und ausserhalb des RAVs? Lieder nicht zu selten erlebe ich Stellensuchende, die sich NUR um die nackte Anzahl Bewerbungen kümmern und ansonsten interessiert sie herzlichst wenig. Im ernst - ist das die Einstellung, die gleich mit «sich ernsthaft und wirkungsvoll um eine Anstellung zu kümmern» gleich zu stellen ist?!? Die Antwort weiss jeder, tief in seinem Inneren... hoffe ich zumindest. Jeder weiss auch «Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück».

Dazu kommt auch, keiner, Sie nicht, auch der RAV Berater nicht, hat es gerne, wenn man ihn für «dumm zu verkaufen» versucht. Wenn Sie verstehen was ich meine. Sie tun sowas nicht?! Ich bin sogar bereit es Ihnen zu glauben, doch - denken Sie es? Manchmal, oft oder gar laufend? Ja? Hin und wieder?! Na dann, vergessen Sie dabei einfach nicht: Was man denkt «formt» sein Verhalten und Wirken, auch dann wenn man es zu verbergen versucht.

Tritt man mit vielen, teilweise oder gar völlig ungerechtfertigten Erwartungen und Interpretationen an jemanden heran, dazu sich noch gereizt und schier "trotzig" auf Standpunkte wie «Nein, das mache ich NICHT / Nein, das will ich NICHT / Jemand anders MUSS / Ich HABE Recht auf…» usw. (auch «unausgesprochen») stellt, macht das die ganze Angelegenheit nicht einfacher. Dabei unterschätzen solche Personen wie schwer man sich damit das Leben selber machen kann. Kann es, möglicherweise, auch deshalb mit Ihrem RAV Berater nicht klappen? Denken Sie einfach darüber nach…

RAV schickt mich zu unnötigen bzw. nichts bringenden Kursen

O je! Allein zu diesem Thema könnte ich «ein Buch» schreiben. Und was für ein Buch! Voller Geschichten von sich und von Ihrem Bewerbungsvorgehen überzeugten Stellensuchenden, die einfach irgendetwas machen. «Irgendetwas», was alles andere als richtig ist!

In dem Buch könnte ich auch einige Geschichten über Versicherte erzählen, die nicht nur keine Ahnung hatten wie sie sich wirkungsvoll bewerben sollten, sondern noch viel schlimmer – sie hatten auch «keinen Bock» wirklich eine Stelle zu finden, geschweige denn zu erfahren «wie». Die eben «bezahlte Ferien» machten. Die mühsamste Sorte von Stellensuchenden. Die einfach so taten als ob…

Oder aber auch eine andere «Sorte», die ganz andere Pläne hegen und pflegen, z.B. in dieser Zeit ihre Selbständigkeit aufzubauen. Eigentlich - unter bestimmten Voraussetzungen - keine so schlechte Idee; mühsam wird es erst dann, wenn man das «ohne jegliches Risiko, Zusatzaufwand und heimlich» machen will, quasi auf Rechnung des Staates.

All das werden Geschichten sein über Personen, die neben dem wie sie ihre (mangelhafte) Bewerbungskompetenzen beurteilten, auch effektiv glaubten, man merke ihnen ihre Stellensuche-Abneigung nicht an. In allen diesen Situationen fragte ich mich ernsthaft, warum sich diese Menschen nicht in «Schauspielerei» versuchen… dann merken sie schnell wie schlecht und unbrauchbar Sie als Schauspieler eigentlich sind.

Deshalb möchte ich mich zu diesem Punkt ausschliesslich an Versicherte wenden, die «Bock HABEN und trotzdem zu blöden Kurse verdonnert werden».

Kann sowas überhaupt passieren? Nein, liebe Leute, es kann nicht!

Es liegt mit einer sehr grossen Wahrscheinlichkeit nicht an dem Thema des Kurses allein, sondern an was anderem.

Liegt es vielleicht an der Dauer, am Kursort, am Kursleiter, an den anderen Kursteilnehmern, an etwas persönlichem (z.B. die Organisation der Betreuung Ihres Kindes)…?

Enttäuschen Sie die Absagen zu sehr oder frustrieren Sie die Umstände Ihres letzten Jobverlustes zu stark, womit es eher an Ihrer momentanen emotionalen Stimmung liegt als am Kurs alleine?

Liegt es womöglich an Ihren (unberechtigten) Erwartungen an einen Kurs? Wollen Sie anstatt Wissen, einer anderen Meinung, Tipps, Austausch... etc. eher «Zaubersprüche und -rituale» serviert bekommen, die Ihre momentane Situation sofort zum Positiven ändern, OHNE Ihre Mitwirkung?

Liegt es vielleicht am Wetter? Vielleicht wollen Sie lieber am Tag X in der Badi liegen oder mit dem Snowboard flitzen anstatt einen Kurs zu besuchen?!?

Oder ist es allenfalls eine Sache der Kommunikation? Stresst Sie die – zugegeben – nicht sehr elegante Bezeichnung «Weisung»?

Egal. Wichtig ist es nur zu sich selber ehrlich zu sein und genau zu differenzieren woran Ihre Kurs-Unlust liegt!

Wenn Sie wirklich von der Sorte sind «ich WILL weiterkommen und nehme jede mir angebotene Unterstützung dankend entgegen, versuche das Beste daraus zu machen, denn wer weiss wie und wovon ich profitieren werde», dann wird sich Ihre Geringschätzung garantiert in Grenzen halten und auch nur sporadisch auftreten.

Daran glaube ich fest! Und zwar nicht nur dank persönlich gemachten Beobachtungen mit Stellensuchenden, die auch zu mir mit Unwillen aufgeladen kommen, sich aber voller Enthusiasmus und Dankbarkeit verabschieden, sondern stütze mich auch auf meine ganz persönliche Erfahrung.

Als ich selber mal beim RAV angemeldet war, bekam ich auch eine «Weisung» zu einem Kurs. Ich erinnere mich genau an das Missbehagen, womit ich dem Start entgegen sah. Ich hatte schon meinen genauen Tagesablauf und war auch in meinen Fähigkeiten überzeugt. An einer sog. «Arbeitsmarktlichen Massnahme» teilzunehmen empfand ich schlicht und einfach als «nicht dringend nötig». Es gab sogar Momente, in denen ich die bald beginnende «Massnahme» als irgendwie meine Ansichten, Standpunkte und Strukturen «angreifend und durcheinander bringend» empfand.

Doch kurz nach dem Start sagte ich mir, dass es absolut keinen Sinn macht, meine Energie darin zu verschwenden, mich gegen etwas aufzubäumen, was ich nicht ändern werde. Also entschloss ich mich bewusst zu profitieren! Und siehe da! Am Ende dieses Kurses hätte ich nochmals von vorne anfangen und mitmachen können. Ich lernte nicht nur einiges Interessantes dazu, sondern lernte auch tolle Menschen kennen. Es war wirklich grossartig! Die Einstellung «sowas brauche ich nicht» aufzugeben und mich auf das Geschehen einzulassen, hat sich für mich mehr als nur gelohnt!

Also, wenn Sie nicht grundsätzlich ein alles negativ sehender Mensch sind, der immer alles «besser weiss und keiner kann ihm das Wasser reichen», können Sie wirklich etwas Positives von «unnötigen, nichts bringenden Kursen» abgewinnen. Als Erstes: Auch Sie können immer etwas Neues dazu lernen! Immer! Dafür müssen Sie sich einfach «öffnen» und nicht immer und alles a priori verachten.

Und wenn Sie tatsächlich zu dem einen oder anderen Thema in einem Kurs «der oder die Experte/in» sind, dann bringen Sie sich doch ein! Helfen Sie mit Ihre Erfahrung und Wissen anderen zu vermitteln! «Sich einbringen» heisst jedoch nicht den Kursleiter zu disqualifizieren, indem man mit seinem Verhalten das Geschehen boykottiert, sich dauernd in unnötige Diskussionen verwickelt, oder die Leitung bloss zu stellen versucht. Schon deshalb rate ich davon ab, weil man sich damit der Gefahr aussetzt einen Kurs mit «unangenehmen Folgen» zu haben. Sie sollten wissen: Kursleitung und RAV stehen im Austausch, schliesslich ist das RAV der Auftraggeber.

Aus meiner Optik kommt jedoch noch etwas viel Wichtigeres dazu: Einem echten Experten liegt der gemeinsame Erfolg aller Kursbeteiligten am Herzen! Das bedingt eine konstruktive Kursatmosphäre und kein «Schlaumeier»-Auftreten von einzelnen Teilnehmern.

Kein wirklicher Experte «zerstört». Ein echter Experte baut auf!

Was man auch nie vergessen sollte, wenn man sich lautstark über unterstützende Massnahmen beschwert, sind die folgenden zwei unumstrittenen Faktoren:

  • diese Unterstützung ist für Sie völlig kostenlos (sogar der Reiseweg und die Tagesverpflegung vor Ort werden Ihnen vergütet)

und

  • die Möglichkeit, gem. eigener Wahl, auf ein bestimmtes Bedürfnis ausgerichtete Unterstützung, selbständig und selbstzahlend zu beanspruchen ist jedem und immer offen.

Nehmen wir diese zwei Punkte etwas auseinander.

Punkt 1, kostenlos.

Sie geben mir hoffentlich Recht, wenn ich sage: «Ein, der Situation angebrachtes Angebot dankend entgegen zu nehmen» ist einfach eine Frage des Anstandes, oder? Jemandem einen Kurs «anzuweisen», der eindeutig in einem direkten Zusammenhang mit der Stellensuche steht, fällt auch in die Kategorie «der Situation angebracht». Schliesslich wird man weder in einen Gesangskurs, noch in einen Yogakurs geschickt, auch wenn sich die Person das evtl. wünscht. Auf das Argument «sowas brauche ich nicht», wenn es sich eindeutig um Kurse handelt, die in einem direkten und deutlichen Zusammenhang mit einer Stellensuche stehen, gehe ich nicht ein, denn ich bin noch nie auf jemanden getroffen, der tatsächlich schon alles wusste.

Doch es ist durchaus möglich, dass Sie vielleicht der Meinung sind «etwas anderes bringt mich beruflich weiter». Ist das der Fall, ist «kindischer Trotz und totale Ablehnung» fehl am Platz. Auch hier sollten Sie versuchen Ihre Argumente «dafür und dagegen» sachlich und einleuchtend bei Ihrem RAV Berater zu platzieren.

Es empfiehlt sich: Seien Sie konstruktiv, argumentieren Sie, aber seien Sie auch kompromissbereit. Erkundigen Sie sich in so einem Fall genau und im Vorfeld über die Möglichkeiten, das Angebot, wie auch über Ihre Rechte UND Ihre Pflichten.

… und sollten alle Ihre Bemühungen und angebrachten Argumente «nichts helfen», dann kommen wir zum

Punkt 2, selbständige Wahl treffen. Sie sind immer noch ein freier Mensch in einem freien Land! Dazu noch ein Mensch, der genügend Zeit und immer noch ein Einkommen hat. Also, Sie können die Sache immer noch in die eigenen Hände nehmen und sich die Unterstützung holen, die Sie zu brauchen glauben. Aus eigener Initiative! An Angeboten unterschiedlichster Art, Preisklasse und Richtung fehlt es jedenfalls nicht. Klar müssen Sie dafür selber zahlen, aber dafür sind Sie in Ihrer Wahl völlig FREI!

Allerdings steht hier vielen Menschen die irreführende Grundmeinung «ich bin arbeitslos, ich habe kein Geld, alles MUSS mir vom RAV bezahlt werden» im Wege. Gewiss muss man sich in der Phase einer Arbeitslosigkeit finanziell einschränken, keine Frage. Die einen mehr, andere weniger. Jedoch, zumindest ich mache nicht selten die Erfahrung: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

Keinem, der das hier liest, möchte ich zu nahe treten; ich weiss es gibt im Leben auch effektiv schwierige Situationen aller Art. Doch ich erlebe es leider auch immer wieder ganz deutlich: Die Einstellung «kein Geld um mich selber darum zu kümmern / weiterzukommen / eine Weiterbildung oder Vertiefung der eigenen Kompetenzen selber zu berappen» tritt nicht erst mit der Arbeitslosigkeit auf. Sie zieht sich oft wie ein «roter Faden» durch die Denk- und Handlungsweise mancher Menschen und zwar über Jahre hinweg. Menschen, die die Einstellung «jemand anderes zahlt für meine Fortschritte» nicht zum ersten Mal in den Vordergrund stellen, sondern diese Einstellung immer schon hatten, auch in Zeiten als es ihnen finanziell besser ging. Ergo, in einigen Situationen geht es nicht primär ums Geld, sondern um die eingeübte Verweigerung Eigenverantwortung zu übernehmen und die bequeme Verlagerung einer solchen Verantwortung auf andere. Die wenigen Ausnahmen dieser oft genug beobachteten Tatsache sind hier ausgeschlossen. Punkt.

Jedoch verwechseln Sie bitte nicht (wieder) «worauf Sie Lust haben» mit «was nötig und angebracht ist, um eine Stelle zu finden». Dafür «worauf Sie Lust haben» ist RAV nicht zuständig! Mit Ihrem persönlichen Engagement können Sie evtl. mündliche Unterstützung und Lob ernten, aber keine Kostendeckung.

Was Sie für Kurse selbständig buchen, bezahlen und besuchen liegt in Ihrer Kompetenz und in Ihrem Entscheidungsspielraum.

Wiederum an was für Kurse Sie RAV schickt und diese vollständig bezahlt liegt in der Kompetenz und dem Entscheidungsspielraum Ihres Beraters. Es ist ideal, wenn sich diese decken, ein MUST ist es aber NICHT. In den meisten Fällen können Sie davon ausgehen, wenn Sie einen vom RAV «zugewiesenen» Kurs gleichwertig oder sogar wertvoller SELBER ersetzen, bezahlen und das auch nachvollziehbar begründen - dazu wird kaum ein RAV «nein» sagen.

Es ist auch wichtig zu wissen, dass Sie mit Ihrem selbst ausgewählten Kurs weder in Ihrer Vermittelbarkeit, noch in Ihrem HAUPTJOB - eine Stelle zu suchen und zu finden - zu stark gehindert sein dürfen. Wollen Sie z.B. Ihre Sprachkenntnisse verbessern und dafür auf eigene Kosten für drei Wochen nach Malta reisen? SUPER! MACHEN SIE DAS!

Aber... vergessen Sie dabei nicht: Um in dieser Zeit AL Gelder weiter zu erhalten, müssen Sie sich weiter ERNSTHAFT bewerben, und gegebenenfalls auch Bewerbungsgespräche wahr nehmen. Kurz gesagt: Sie müssen weiterhin VERMITTELBAR bleiben. Oder die andere Möglichkeit ist: Man meldet sich beim RAV ab.

In der Realität sagen die Wenigsten zu der einen oder der anderen Variante «Ja! Ich ziehe das durch!», also entweder ich erfülle weiterhin engagiert meine Pflichten oder ich befreie mich davon indem ich mich beim RAV abmelde. Man will lieber den Fünfer und das Weggli, und weil das so wie so selten der Fall ist - erzählt man lieber wie «böse» das RAV ist...

Bedenken Sie bitte auch, dass es in keinem Gesetz steht, dass man Sie in Ihrem allfälligen Wunsch nach einer totalen «Neuorientierung» sang-und klanglos unterstützen muss. Wenn Sie das Ziel verfolgen, sich etwas ganz Neuem zu widmen, ist das Ihr gutes Recht! Sehen Sie es aber auch als Ihre ganz persönliche Pflicht, dies zu ermöglichen. «Koste es was es wolle…».

Sie sind mit all dem nicht einverstanden? Sie wollen weder an Kursen teilnehmen, an die Sie vom RAV zugewiesen werden und «nicht brauchen», noch weniger sind Sie bereit sich selber, regelkonform und adäquat zu helfen indem Sie Kurse, die Sie wollen, selbständig buchen und bezahlen? Sie sind auch nicht bereit sich beim RAV abzumelden um den Entscheidungsspielraum zu erlangen?

Keine einfache Situation. Für Sie!

Da gibt es nur eins, Sie müssen da durch… und wenn es sein muss auch nach dem Prinzip «koste es was es wolle» (evtl. Einstelltage).

Und zum Schluss noch dies ...

Lassen Sie mich abschliessend die Essenz von allem nochmals klar und deutlich wiederholen:

  1. RAV Berater sind nicht ausnahmslos und immer im Recht. Sie machen nicht alles und immer richtig. Beim Fehlverhalten, eindeutig auf «persönlicher Basis» basierend, haben Sie Rechte. Sie müssen sowas nicht akzeptieren. Dafür gibt es einen offiziell, Ihnen vom Gesetz eingeräumten Beschwerdeweg.

  2. Sie sind auch nicht ausnahmslos und immer im Recht und machen auch nicht immer und alles richtig. Unkooperatives Fehlverhalten Ihrerseits wird nicht akzeptiert und führt in vielen Fällen zu Sanktionen. Auch Sanktionen können Sie anfechten.

  3. Die AL Unterstützung ist schlicht und einfach eine Gegenleistung, die auf Ihrer korrekten Leistung basiert und dieser folgt. Nicht umgekehrt!

In der nicht einfachen Phase der Stellensuche und in diesem Konfliktfeld die richtige Verhaltensweise zu finden ist nicht einfach, aber möglich! Sie werden die Welt nicht ändern können, schon gar nicht in ca. 400 (Zahl)tagen, also besser Sie konzentrieren sich auf sich und Ihre Aufgabe. Ob Sie es glauben oder nicht – das kann Wunder bewirken. Auch beim RAV.

Deshalb mein Vorschlag: Lassen Sie sich nicht auf «Kämpfe» ein, die Ihnen die Energie rauben und Sie auch noch mehr frustrieren werden. Versuchen Sie zu akzeptieren, dass Sie mit Menschen zu tun haben, die ihre Arbeit machen, und es liegt in der Natur der Sache, dass nicht immer und zwingend «alles zu Ihrer vollsten Zufriedenheit» sein wird. Ausserhalb dieser «einen RAV-Stunde im Monat » geben Sie sich vorwiegend Menschen und Themen hin, die Sie weiterbringen. Vermeiden Sie Personen mit denen Sie «das Klagelied eines Stellensuchenden» rauf und runder spielen. Bleiben Sie bei sich! Verschieben Sie Ihre Optik von «was die anderen alles falsch machen» auf «was kann ich besser machen».

Sie wissen heute nicht wo Sie in einem Jahr sein werden! Genau so wenig wissen Sie heute was und wer Sie exakt dorthin bringen wird! Doch ob das ein Flop oder Top wird, entscheiden Sie! Nur Sie! Und schon heute. Mit Ihren Gedanken, Ihrer Einstellung, Ihrer Mitwirkung und Ihrem Tun!

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