• Kremena Doynov

Storytelling


Kennen Sie Menschen, die eine noch so alltägliche Situation so erzählen können, dass Sie diese sofort packt. Egal ob diese traurig, spannend oder lustig ist? Von Kind auf hören wir gerne Menschen zu, die erzählen können. Ich spreche hier nicht über Profi-Märchenerzähler, sondern über ganz normale Mitmenschen, denen wir gerne zuhören.

Hat «Storytelling» auch Platz bei der Stellensuche, vor allem im Vorstellungsgespräch? Aber natürlich! Denn wo sonst geht es mehr um Ihr Leben, Ihre Geschichte, Ihre Siege (Erfolge) und Niederlagen (Misserfolge)…als wenn Sie über sich selber erzählen? Wo sonst treten Sie vor Menschen auf, die in kürzester Zeit vom «roten Faden» in Ihrem (Berufs-)Leben gefesselt und überzeugt werden sollen?

Gleich zu Beginn: das «Storytelling» das hier gemeint ist, hat nichts mit Metaphern zu tun. Es sollte sich auch nicht um «Monster» (ehemalige Chefs), «böse Könige und Königinnen» (HRs), «dunkle Wälder» (Jobplattformen) und «erschöpfte Ritter» (Sie) drehen. Was Ihre Geschichte sein sollte ist glaubhaft, verständlich, zukunftsbejahend und ihr sollte leicht zu folgen sein. Auch dann, wenn sie «unerwartete Wendungen» genommen hat.

Warten Sie, warten Sie ab, geben Sie nicht gleich auf in der Überzeugung Sie können das nicht. Glauben Sie mir, das «Storytelling» um welches es sich hier handelt kann jeder, vorausgesetzt man versteht den Sinn dahinter, den Aufbau und, wie bei allem was einem nicht so liegt, man sollte sich zuerst intensiv darüber Gedanken machen, wie das gelöst werden kann.

Wozu ist Storytelling gut?

Der Vorteil eines Storytellings liegt nicht allein in der Informationsvermittlung. Das könnte man auch «trocken und faktisch» machen, zack, zack, zack. Wenn wir eine Frage gestellt bekommen, haben wir die Wahl wie wir diese beantworten. «Spärlich», als musste man uns die Antwort fast aus der Nase ziehen, «langatmig», bis wir ungeduldig von der Gegenseite unterbrochen werden, oder «kurzweilig» sodass unser Gegenüber Lust verspürt, mehr darüber zu erfahren. Wenn Sie zuhören würden welche Antwortart würden Sie denn bevorzugen? Über die Methode des Storytellings kann man viel lesen. Heute wird diese Art «etwas zu sagen» in vielen Bereichen des Lebens angewendet: im Wissensmanagement, der Kinder- und Erwachsenenbildung, im Journalismus, der Psychotherapie sowie im Marketing, PR und in der Werbung. Merken Sie? WERBUNG! Und was machen Sie? Sie beWERBEN sich!

Die beste Definition, auf die ich jemals getroffen habe lautet: «Storytelling ist eine Methode, die versucht, Informationen zu vereinfachen und sie anschaulich darzustellen. Auf diese Weise soll nicht nur das Interesse des Rezipienten geweckt, sondern auch die gewünschte Botschaft ganz einfach in seinem Gedächtnis verankert werden. Die grundlegenden Ziele im Storytelling bestehen somit darin, Information zu vereinfachen, sie ansprechend aufzubereiten und so dem Rezipienten kognitiv unkomplizierter zugänglich zu machen.»

Und ist es nicht genau das, was Sie mit Ihrem Vorstellungsauftritt bezwecken wollen? Sie wollen Informationen über sich so vermitteln, dass der Empfänger diesen folgen, sie nachvollziehen und verstehen kann. Sie wollen in Erinnerung bleiben.

Wie bildet man eine Story?

Wir wissen aus Erfahrung, eine Geschichte kann kurz, lang oder unglaublich lang sein. Das sagt noch nichts darüber aus, ob diese interessant oder banal ist. Was aber sicher ist, wenn es sich um eine lange Story handelt, müssen wir Geduld und Zeit haben um uns diese bis zu Ende anzuhören. Deshalb


Regel Nummer eins:

Wenn wir eine Geschichte an einem Vorstellungsgespräch erzählen, so darf diese nicht lang sein. Wir wissen zwar nicht immer wie geduldig unser Gegenüber ist, jedoch wissen wir, dass «die Zeit klar begrenzt ist». Dazu kommt auch noch das Risiko von «lang» in «langatmig» zu kippen. Also, egal zu welchem Thema Sie Ihre «Geschichte» erzählen, fangen Sie nicht bei «Adam und Eva» an und warten Sie mit dem Ende nicht ab bis Sie unterbrochen werden. Konzentrieren Sie sich nur in die Story-Details, die relevant für die Empfänger und die konkrete Situation sind.

Regel Nummer zwei:

Die erzählte Geschichte muss einem bestimmten Ablauf folgen! Egal ob Sie über sich erzählen oder eine Geschichte zu einer Situation liefern muss Ihre Geschichte einen «roten Faden» haben, nicht sprunghaft sein, und NUR die Details liefern, die für das Verständnis des Gegenübers notwendig sind.

Viele Menschen neigen oft dazu, wenn Sie etwas erzählen was für sie sonnenklar ist Ausschnitte zu überspringen oder aber von einer Situation in die andere zu «hüpfen»… bis die Geschichte einem Wirrwarr ähnelt, dem keiner mehr folgen kann. Also vergessen Sie nicht – von der Geschichte, die Sie erzählen wollen hat Ihr Gegenüber keine Ahnung. Bauen Sie diese logisch und nachvollziehbar auf.

Ein guter Plan für den Aufbau einer Geschichte ist:

  • einen Anfang oder eine Ausgangssituation

  • ein Ereignis (die Aktion)

  • ein Resultat

  • die Lehre daraus (Reflektion)

Der Anfang dient dazu zu aktiveren. Oder mit einem Beispiel gezeigt: Sie können Ihre Geschichte mit den Worten «ich bin Muster Master…» starten… als wüssten Ihre Gegenüber das nicht schon. Oder aber mit «Mein Werdegang hat einiges zu bieten…».

Das Ereignis ist der eigentliche Kern Ihrer Geschichte.

Erzählen Sie über sich (eigener Vorstellung), könnte «das Ereignis» eine Wendung, eine Entscheidung, eine Situation sein, die Sie «heute zu dem gemacht hat, wer Sie sind». Hat es mehrere solche gehabt? Überlegen Sie gut welche Sie einbauen und welche Sie aussen vorlassen. An einem Vorstellungsgespräch muss halt Ihr Werdegang einen plausiblen Ablauf aufzeigen. Gewiss gibt es Leben, die nicht immer von A nach B und weiter nach C gelaufen sind. Das will heissen, dass auch «sprunghafte Wendungen» Platz haben. Jedoch ist es wichtig solche zu erklären, die Vorbereitung der Geschichte braucht noch mehr Umsicht. Geht es wiederum um ein Beispiel zu einer Persönlichkeits-Frage, zum Bsp. «Wie gehen Sie mit Stress um?» ist es «das Ereignis», die Sachlage, die zu einer Stresssituation bei Ihnen geführt hat oder immer wieder führt. In diesem Teil der Struktur (das Ereignis) wird «emotionalisiert», oder anders gesagt Ihre Zuhörer werden «gefesselt». Geben Sie also alles dafür, um auf eine positive Art und Weise zu erzählen, auch über Situationen, die «negativ» sind (zum Bsp. Ausbildungsabbruch, Stressauslöser etc.). Hier ist es besonders wichtig «den roten Faden» zu behalten, sodass Ihre Gegenüber die Situation nachvollziehen können.

Das Resultat ist logischerweise das Ergebnis.

Es beinhaltet eine kurze Schilderung Ihrer Handlung, Ihrer Entscheidung, Ihrer Vorgehensweisen. Was haben Sie gemacht? Warum haben Sie sich dafür entschieden? Wozu hat das geführt? etc.


Die Reflektion ist mega wichtig!

… was viele immer wieder vergessen, jedoch vor allem bei einem Vorstellungsgespräch von grosser Bedeutung ist, ist der Schlussteil «was haben Sie daraus gelernt?». Was zogen Sie für Fazits? Sind Sie zufrieden mit dem Erreichten? Würden Sie, in einer ähnlichen Situation wieder so handeln oder wissen Sie es heute besser? Denken Sie daran, mit der Art und Weise wie Sie die letzten zwei Teile (Resultat und aber vor allem die Reflektion) vortragen, können Sie begeistern… oder aber auch «entgeistern»…

Wozu eignet sich das «Storytelling»?

Wenn wir beim Vorstellungsgespräch bleiben bieten sich für «Storytelling» mehrere Anwendungsmomente an. Ihre erste «Story» können Sie bei der eigenen Präsentation erzählen. Sie haben dann die erste Chance die Anwesenden zu packen, zu binden, zu begeistern.

Wo Sie aber bestimmt divrese «Stories» parat haben sollten sind die Fragen «zu Ihrer Person(lichkeit)». Was damit gemeint? Der Klassiker zum Beispiel, die Frage nach Ihren Stärken. Was denken Sie machen 10 von 10 Personen, wenn Sie diese Frage beantworten? Sie reihen Floskeln auf! Sie plappern (leere) Begriffe über sich, über die Sie im Internet gelesen haben, dass diese von den «HRs gerne als Stärken gehört werden». Gähn…

Wie wäre es, wenn Sie das nächste Mal bei dieser Frage eine kurze Geschichte erzählen, die eine Ihrer Stärken belegt? Die spanend aufzeigt warum Sie sich zum Bsp. als «zuverlässig» bezeichnen. Versuchen Sie es! Sie werden punkten! Noch mehr punkten Sie wenn Sie das auch bei den Schwächen machen. Warum? Wegen die Reflektion natürlich!

Die Vorteile

Ich denke bis hier her sollten Sie die Vorteile verstanden haben, in bestimmten Gesprächssituationen mit Ihrer eigenen, interessanten Geschichte zu trumpfen.

Aber lassen Sie mich diese nochmals klar und deutlich aufzählen:

  • Sie helfen, dass man Sie versteht

  • Sie wirken authentischer

  • Sie zeigen eine ausgereifte Kommunikationsfähigkeit

  • Sie bleiben in Erinnerung

  • Sie wecken Interesse

  • Sie liefern «Beweise»

  • Sie heben sich von anderen ab

  • Sie vermitteln diverse Fähigkeiten von sich, die nicht direkt mit einer Frage in Verbindung stehen (Fähigkeit sich an eine Struktur zu halten, Reflektionsfähigkeit, Ehrlichkeit, Respekt ggü. anderen, Begeisterungsfähigkeit, Charakterfestigkeit und noch vieles mehr)

  • Sie werden als Persönlichkeit und nicht nur als «ein Kandidat von vielen» wahr genommen

  • Sie lassen zu, dass das Gespräch zu einem Erlebnis wird und nicht zu einem trockenen «Frage/Antwort-Spiel» verkommt

… sind einige der Vorteile, die mir jetzt in den Sinn kommen. Bestimmt gibt es je nach Situation noch viele mehr. Doch jede Sache hat Vor- wie auch Nachteile. So natürlich auch «Storytelling». Man kann sich «verlieren», es übertreiben, sich in Widersprüche verstricken, eine unpassende Geschichte erzählen, die einem mehr schadet als hilft, aus dem Wunsch spannend rüber zu kommen gar schwindeln… usw. Deshalb, wenn Sie diese Methode noch nie angewendet haben oder mit einem dürftigen Erfolg schonmal versucht haben, dann ist es an der Zeit «IHRE GESCHICHTE» passend, präzise und authentisch bereitzustellen. «Story Erzähler» von Geburt an ist nicht jeder, da bin ich einverstanden. Doch wie bei vielem anderem, ist auch «Storytelling» realisierbar, vorausgesetzt man nimmt sich die Zeit, macht sich Gedanken und bereitet sich vor.

Nein, bitte nicht, sagen Sie bitte nicht «meine Geschichte ist aber nicht interessant». DAS KANN NICHT SEIN! Sie halten sich, möglicherweise, für einen «schlechten» Erzähler, viel wahrscheinlicher ist es, Ihnen fehlt es an Übung. Aber dass Sie eine «einfallslose Geschichte» haben, das ist ausgeschlossen. Sie haben sogar nicht nur eine, sondern mehrere, und es hängt nur davon ab im richtigen Moment «die Richtige» auszupacken.

Was auch sicher ist – mit geeignetem «Storytelling» schaffen Sie es, Ihre Gegenübers leichter zu erreichen und sich tiefer in deren Gedächtnisse einzuprägen. Und das ist Ihr Ziel wert!

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