• Kremena Doynov

Vorhang auf! (1)


Das Telefon klingelt.

- Guten Tag! Sie haben sich vor kurzem bei uns für die Stelle als ... beworben. Wir würden Sie gerne näher kennen lernen und möchten Sie zu einem Vorstellungsgespräch einladen.... (Ihr Puls beschleunigt sich.)

Und dann ist es soweit.



Ihre «Premiere in fünf Akten» kann los gehen.

Was Sie über ein erstes Vorstellungsgespräch wissen sollten ist, dass dieses in 5 Hauptphasen abläuft:

  1. Smalltalk (die Gesprächseröffnung)

  2. Kennenlernen (Ihre Präsentation, Sie stellen sich vor und beantworten einige Fragen in Bezug auf Ihren Werdegang und Ihre Persönlichkeit)

  3. Präsentation (Die Firma stellt sich vor und spricht Fakten an rund um Ihren zukünftigen Arbeitgeber, sowie Informationen betreffend der beworbenen Stelle)

  4. Ihre Fragen (Auf Grund Ihrer Vorbereitung sowie des Verlaufs des Gesprächs bis anhin stellen Sie noch offene Fragen)

  5. Gesprächsabschluss (das weitere Vorgehen)

Das sind die Phasen, die üblicherweise stattfinden. «Ausnahmen» können vorkommen. Ich kenne gar Fälle, bei denen schon in dieser ersten Kennenlern-Stunde die Zusage erteilt wurde, jedoch ist sowas definitiv eine Seltenheit.

Die Gesprächsphasen fliessen ineinander und es ist durchaus möglich, dass etwas vor- oder nachgeholt wird. Was aber eindeutig nicht in Ordnung ist, wenn ganze Phasen stark gekürzt oder gar ausgelassen werden. Ohne zu übertreiben, kommt mir ein «Vorstellungsgespräch» in Erinnerung während dem ich - als Bewerberin - alles in allem max. 10 Minuten zur Verfügung hatte. Nicht am Stück, wohl gemerkt! Den Rest (ca. 40-45 Minuten) hat mein vis-à-vis dafür verwendet die Firma, die Verdienstaussichten etc., aber vor allem sich und seine Leistungen zu glorifizieren. Sowas ist zweifelsohne Anlass für Sie, sich ernsthaft zu fragen ob dieser Arbeitgeber die nötige Professionalität und den erforderlichen Respekt gegenüber Ihnen als Kandidat hat.

Um Ihren Auftritt richtig zu vollziehen ist es auch hilfreich, etwas über die Stimmung und die Wechselbeziehung während des Gesprächs zu wissen. Um dies anschaulicher darzustellen, bediene ich mich hier der Structogram Methode. Das ist eine Biostruktur Analyse. Sie wird hauptsächlich dazu angewendet um das Menschenverhalten zu analysieren und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Da bei einem Gespräch Menschen beteiligt sind, bietet sich die Gesprächsphasen-Unterteilung nach Structogram gerade so an. Die Structogram Methode unterstellt das Verhalten in drei Farben - grün, rot und blau. Über die Farben kann man ganz generell und bündig sagen: grün steht für liebenswürdig, redselig, gemütlich, rot für dominant, emotional, dynamisch und blau für faktisch, sachlich, ernsthaft.

Spiegelt man diese Merkmale auf die Phasen des Gesprächs ergibt sich mehr oder weniger folgendes Bild:


Smalltalk/Grün:

Sie und Ihre Gesprächspartner sollten hier besonders offen und sympathisch wirken. Lassen Sie sich auf die angenehme Stimmung des Empfangs ein. Wenn hier alles angenehm läuft, «schmilzt das Eis» und das wird wahrscheinlich auch Ihre Nervosität deutlich vermindern. Achten Sie trotzdem auf Ihre Wirkung; nur weil es «Smalltalk» (also «etwas ohne grosse Bedeutung») ist, heisst das noch lange nicht, dass Sie unkontrolliert plappern. Genauso aber steht «small» (klein, gering, bescheiden) nicht dafür, dass man Ihnen die Wörter quasi «aus der Nase zieht».


Kennenlernen/Blau-Rot:

Hier liefern Sie Fakten und Daten über sich selber. Seien Sie authentisch, souverän, bleiben Sie bei den Tatsachen. Je besser Sie vorbereitet sind, desto klarer und sachlicher kommen Sie rüber. Die Mischung zwischen Verstand/Tatsachen (blau) und Emotion/Ehrgeiz (rot) muss in einem guten Verhältnis sein. Und denken Sie bitte daran: weder das «rot» noch das «blau» steht für «langatmig, langweilig, überschwänglich, geschwätzig...». Was «rote», aber vor allem «blauen» Menschentypen sagen, SITZT.



Präsentation/Blau-Grün:

Nun können Sie sich (etwas) zurücklehnen. Ihre Gesprächspartner sind an der Reihe. Sie sollten jedoch genauer zuhören, denn in der folgenden Phase kommen Sie wieder zum Zug mit Ihren vorbereiteten, oder aber im Zuge des Gesprächs entstandenen Fragen. Es wäre sehr unvorteilhaft wenn Sie von Ihnen vorbereitete Fragen, die während dieser Firmenpräsentation 1:1 beantwortet worden sind, später wieder stellen.

Ihr zukünftiger Arbeitgeber soll Sie in dieser Phase mit interessanten und aufschlussreichen Fakten über sich (Firma/Team) aber auch über die Aufgaben und Abläufe versorgen. Auch wenn man nicht zu sehr ins Detail gehen wird, sollte es spätestens nach dieser Phase möglich sein, aus der Präsentation und ihrer Wirkung auf Sie, sich eine erste, wenn auch nicht definitive Meinung zu bilden: wird das was? Achten Sie unbedingt nicht nur auf die Fakten und Zahlen, sondern auch WIE werden diese vorgetragen? Zur Erinnerung: Grün transportiert angenehm, gewinnend, «wir»-Gefühl usw. Wirkt Ihr Gegenüber so?



Ihre Fragen/alle drei Farben:

Hier ist die (Farb-)Mischung Ihres Vorgehens von grosser Bedeutung. Passend an den bisherigen Gesprächsablauf dosieren Sie unter anderem Offenheit (grün), Spontanität (rot) und planvolles Vorgehen (blau).



Gesprächsabschluss/Blau-Grün:

Zum Schluss sollte es für beide Seiten klar sein wie es weiter geht. Wer, was, bis wann? Falls das «zu vage» ist, fragen Sie ruhig nach. Unabhängig davon was Ihnen «Ihr Gefühl sagt», sollte das Gespräch freundlich und in gegenseitiger Wertschätzung beendet werden. Denn egal wie das endgültige Resultat wird, muss das nicht zwingend die erste und die letzte Begegnung «für immer und ewig» bleiben.

Gut vorbereitet und «zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort und mit dem richtigen Rucksack» zu sein, erhöht Ihre Chancen auf Erfolg erheblich! (im nächsten Blogbericht gehe ich ein wenig tiefer auf den Ablauf eines Vorstellungsgespräches ein. Bis bald!)


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